Alles wird anders

Predigttext am Heiligen Abend (Vesper): Jesaja 9,1–6 

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den ­Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und ­die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.

 

Von Hans-Christian Bandholz

Finsternis und Licht. Joch und Freude. Kriegsszenario und Friedensvision. Starke Worte. Es sind nicht nur Gegenteile, die im Predigttext angesprochen werden, es sind existenzielle Unterschiede. Alles wird von Grund auf anders. Radikal. Von nun an und für immer.

Wir sind taub geworden gegenüber solchen Superlativen. Mehr denn je. Täglich bekommen wir in der medialen Flut das Neueste und Beste beworben und versprochen. Und wenn uns jemand die ganz große Veränderung verspricht, werden wir misstrauisch. Und das ist gut – es ist eine Schutzfunktion, nicht hinters Licht geführt zu werden. Ständig buhlen falsche Propheten um unsere Aufmerksamkeit und wollen uns zu Konsum verleiten oder zu Hass verführen. Ob in der Politik oder im alltäglichen Leben: Falsche Propheten gibt es genug. Sie lösen unsere Ängste aus. Prophezeiungen wie die im Jesajabuch aber schüren Ängste nicht, sondern nehmen sie uns und sie sind Basis unseres Glaubens. Das Vertrauen auf Verheißungen von den letzten Dingen, einem Heilsplan – ja, die bloße Zusage auf Frieden sind Kern der christlichen Botschaft.

Aber auch hier sind wir skeptisch. Wir sind im Umgang mit ­Prophezeiungen abgestumpft. Vom Licht in der Dunkelheit hören wir selten und wir sagen es selten weiter. Die Zusage von Gottes Liebe stärkt und verändert, lässt selbst zum Licht werden. Aber wer die ­Zusage nicht hört, kann sie nicht weitertragen. Gerade uns jüngeren Generationen scheint Kirche heute keine Prophezeiungen machen zu wollen. Dabei ist gerade hier Orientierung wichtig. Gerade wenn wir jung sind, brauchen wir diesen Zuspruc

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