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27.06.2012
Von: Catharina Hoffmann

Mönche und Nonnen in Turnschuhen


Handarbeit wie im Mittelalter im Kreuzgang. Foto: Catharina Hoffmann

 

Manch ein Besucher im Kloster Chorin traut seinen Augen nicht: Mönche und Nonnen huschen durch die Kreuzgänge, schlendern über die Wiesen und versammeln sich zum Gebet. In ihren braunen Kutten bewegen sie sich, als würden sie nie etwas anderes tragen. Sind die Zisterzienser aus dem Mittelalter wieder da? Wären da nicht die Turnschuhe, die unter manchen braunen Gewändern hervor blitzten!Rund 70 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem Kirchenkreis Barnim unternahmen vergangene Woche an zwei Tagen eine Zeitreise in das mittelalterliche Mönchsleben und quartierten sich in die Ruine des 1258 gegründeten Zisterzienser-Klosters ein. Tagesablauf, Speiseplan, Unterkunft und sogar die Kleidung entsprechen den historischen Bedingungen. „Die meisten Jugendlichen waren verblüfft, als sie hier ankamen“, sagt Pfarrer Andreas Lorenz aus Chorin, der über seiner weißen Kutte ein braunes Obergewand trägt. „Aber wir vom Team haben sie gleich in unseren Mönchsgewändern begrüßt. Ohne Murren haben sich dann alle eine Kutte übergezogen.“ Allein, „die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt“, bedauert der Konfirmand Lennard. Bereits auf dem Anmeldebogen wurden die Konfirmanden aufgefordert, wirklich nur das allernötigste mitzubringen. Uhren, Handys und elektronische Geräte haben in Chorin nichts zu suchen. „Ja, natürlich vermissen wir unsere Handys“, geben Hanna und Marie zu. Einige aus ihrer Gruppe hatten es dennoch probiert. Bereits nach den ersten drei Stunden waren zwei Mobiltelefone konfisziert worden.

„Ganz schön viele Steine“

„Ora et labora“ heißt das Motto  an diesen zwei Tagen im Kloster-Camp. Eine feste Tagesstruktur ist vorgegeben: kleine und große „Arbeitseinheiten“ werden alle drei Stunden von Gebeten unterbrochen. „Der Ort bietet bereits eine Steilvorlage“, sagt Pfarrer Lorenz. „Viele kommen hierher und sind fasziniert, obwohl die sakrale Ausgestaltung bis auf die Architektur nicht mehr da ist. Aber die hat immer noch eine enorme Kraft.“ Ihn habe es gereizt, Jugendlichen zu zeigen, was die Mönche einst dazu bewegte im Kloster zu leben. Schließlich waren sie als Novizen im selben Alter wie die Jugendlichen heute.
Andreas Lorenz hat ein Mitarbeiterteam von Freiwilligen aus dem gesamten Kirchenkreis dafür begeistern können, den Jugendlichen ihre Fähigkeiten zu vermitteln. „Die Mönche haben hier früher völlig autark gelebt“, erklärt er. Ein Gemeindekirchenratsmitglied, das zu seinem Team gehört, ist Töpfer von Beruf. Er stellt mit einer Kleingruppe Ziegelsteine her. „Hat Spaß gemacht“, sind sich Jens, Konrad und Lennard einig. „Ganz schön viele Steine haben die Mönche damals gemacht.“ ergänzt Konrad. Ehrfürchtig blickt der Junge auf die vielen backsteinroten Mauern von Chorin. In den Arbeitseinheiten wird gefilzt, andere schöpfen Papier oder legen ein Kräuterbeet an. Der Förster des Gebiets leitet Holzfällarbeiten an und Löffel werden geschnitzt. Die Eisen in der alten Klosterschmiede glühen an diesen zwei Tagen wieder. Doch auch Singen und Schweigen als Teil des Klosterlebens lernen die Jugendlichen kennen.

Schwierig war es, die vielen Kutten zu beschaffen

Das „Konfirmanden-Kloster-Camp“ fand zum ersten Mal statt, doch Lorenz ist sich sicher, dass es in Zukunft wiederholt wird. Es sei jedoch gar nicht so einfach gewesen, den richtigen Termin für die Aktion zu finden, sagt der Pfarrer. Denn die meisten Familien fahren in den Sommerferien in den Urlaub. Zum anderen ist Chorin im Sommer ein beliebter Besuchs- und Veranstaltungsort. Doch die ersten zwei Tage vor den Sommerferien passten ganz gut. Als kompliziert habe sich zudem die Beschaffung der Kutten erwiesen, erzählt Lorenz. „Ich habe sie letztendlich im Internet gefunden.“ Viele Anbieter hätten allerdings abgesagt, „schließlich ist die Faschingszeit vorbei!“ Pünktlich rufen die Kirchenglocken zum Stundengebet. In der alten Kirchenruine trifft sich die große Gruppe. Würdevoll ziehen sie in den Altarvorraum ein und versammeln sich um eine Kerze. Sie beten tief in sich gekehrt und singen laut und klar, als würden sie schon immer im Kloster Chorin leben. Dass erneut die Blicke neugieriger Touristengruppen auf ihnen liegen, spüren sie nicht.

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