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25.04.2012
Von: Uli Schulte-Döinghaus

Dem Heiligen Geist die Arbeit erleichtern


Hintere Reihe von links nach rechts:

 

Wenn in kirchlichen Kreisen, in Potsdam oder Berlin, vom „Pilotprojekt“ die Rede ist, dann ist nicht etwa die Ausbildung evangelischer Flugzeugführer gemeint. Vielmehr geht es um erste Erfahrungen mit dem Projekt „Erwachsen glauben“, das 2009 auf EKD-Ebene entwickelt und in den vergangenen Monaten in unterschiedlichen Regionen ausprobiert wurde. Die ersten Ergebnisse – 75 Teilnehmer in zehn Kursen seit Start der Kampagne in Potsdam im August 2011 – sind vielversprechend. Darüber war sich eine Runde von Pfarrern, Theologen und Öffentlichkeitsprofis einig, die unlängst im Potsdamer Dienstzimmer von Joachim Zehner zusammenkam. Zehner ist Superintendent des Kirchenkreises Potsdam und Pfarrer der Friedenkirchengemeinde. In dieser Eigenschaft hat er von September 2011 bis heute Glaubenskurse für Potsdamer geleitet – ein Angebot, mit dem er schon gute Erfahrungen in Frankfurt/Oder gemacht hat.
Glaubenskurse für Erwachsene sind eigentlich nichts bestürzend Neues in den evangelischen Gemeinden, besonders dort nicht, wo sie an die Tradition der „Christenlehre“ in den evangelischen Gemeinden der DDR  anknüpfen. Anders ist heute, dass diese Glaubenskurse seit 2009 aktuell und neu aufgestellt wurden, gewissermaßen als missionarischer Dreisprung. Unter der Überschrift „Erwachsen glauben“ können Gemeinden sie als Regelangebot bereitstellen, mit fachlicher Unterstützung von Kirchenkreis und Landeskirche. Das Angebot ist vielfältig und passt sich den Milieus und Regionen an, aus denen die Interessenten kommen. Und es wird von Werbung und Öffentlichkeitsarbeit begleitet, die sich, in Potsdam, koordiniert von Michael Kreutzer, in einer einprägsamen Plakat- und Postkartenkampagne niederschlägt.
Zusätzlich sorgten Plakate in Bussen und Bahnen der ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH für Aufmerksamkeit – und Interessenten. Auf den Plakaten berichten normale Zeitgenossen als „Testimonials“ über ihr Suchen und Sehnen nach Spiritualität, aber auch über Neugier und Zweifel – und treffen damit auf eine weitverbreitete Haltung. Einige finden über die Glaubenskurse zu Taufe und Konfirmation, andere schließen sich als Aktive dem Gemeindeleben an und rücken ins Ehrenamt vor, bis hin zu Mitgliedschaften im Gemeindekirchenrat. Glaubenskurse sind aber auch bei aktiven Gemeindechristen beliebt, die jenseits der tradierten Haus- und Bibelkreise über ihren Glauben und ihr Evangelischsein denken und sprechen wollen.
Internet und Suchmaschinen sind wichtige Treiber des Projekts – mit interessanten Unterschieden. 95 Prozent „seiner“ Teilnehmer hätten über eine Google-Suche zum Angebot gefunden, schätzt Pfarrer Zehner. Wer etwa die Stichwörter „Glauben“, „evangelisch“ und „Potsdam“ einträgt, landet  zunächst bei der Internetadresse www.kurse-zum-glauben.de und schließlich bei einem umgewandelten Abzählreim: „Eene, meene, muh – und was glaubst Du?“, das ist der Kurs, den Pfarrerin Juliane Rumpel ab Oktober dieses Jahres in der Potsdamer Garnisonkirche anbieten wird.

Herantasten an verschüttet geglaubte Fragen

Aber nicht alle Teilnehmer kommen übers Internet: „Mundpropaganda“, sagt Pfarrer Georg Thimme, der in Werder/Havel zum Glaubenskurs „Expedition zum ich“ bittet. Ähnliche Motive hat auch Matthias Mieke ausgemacht, der in der Potsdamer Nikolaikirche Glaubenskurse anbietet. Gerade unter Menschen, die in der DDR in organisierter Gottlosigkeit aufgewachsen sind und sich jetzt in die zweite Lebenshälfte aufmachen, gebe es eine Neugier und ein Herantasten an verschüttet geglaubte Fragen. „Mir fehlt was“, das sei eine dieser Selbsterkenntnisse, mit denen solche Christen zu den Glaubenskursen fänden, sagt Andreas Schlamm, der das Projekt „Erwachsen glauben“ in der „Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste“ (AMD) verantwortet.
Das Prinzip „Einer sagt’s dem anderen“ habe auch in der evangelischen Studentengemeinde Potsdam gut funktioniert, bestätigt Studentenpfarrer Mathias Kürschner, der seit wenigen Tagen  einen neuen Kurs anbietet. Über ihren Glauben, ihre Zweifel und Hoffnungen spricht er auch regelmäßig mit Potsdamer Schauspielern, die nach und nach dem Beispiel eines Kollegen gefolgt sind. Endlich mehr über die christliche Tradition wollten Mitarbeitende im Potsdamer Oberlinhaus der Diakonie wissen:  Das Oberlinhaus macht mit der Babelsberger Kirchengemeinde einen gemeinsamen Kurs – und alle Pfarrinnen und Pfarrer sind beteiligt.
Die Ermunterung zum „Erwachsen glauben“ ist ein Versuchsballon im Kirchenkreis Potsdam, der offenbar gut aufsteigt. Demnächst soll, bezahlt vom Potsdamer Kirchenkreis und von der Landeskirche, ein Hauptamtlicher oder eine Hauptamtliche eingestellt werden, der oder die sich um die verschiedenen Glaubenskurse in und um Potsdam kümmert. Pfarrer Eckhard Zemmrich, der die Glaubensoffensive im Rahmen des Reformprojekts „Salz der Erde“ in der Berliner Landeskirchenzentrale begleitet, bringt das Ziel auf den Punkt: „Wir wollen dem Heiligen Geist die Arbeit erleichtern.“

1 Kommentar

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Ella schrieb am 01.06.2012 08:38 answer

Meinungsfreiheit und Pressefreiheit ist vollkommen legitim, aber dass muss dann auch für beide Seite gelten – die Facebook-Seite “Christiane Tauzher – eine Schande für den Journalismus” wurde von FACEBOOK gelöscht!!!!Also entweder oder – aber den einen das Maul verbieten geht nicht und der andere darf ungeniert lästern – das geht nicht!

 

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