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30.05.2012
Von: Christiane Kürschner

Kinder-Kirchen-Klub statt Christenlehre


Die Kirche der Gemeinde Marzahn-Nord liegt inmitten von DDR-Plattenbauten. Foto: Christiane Kürschner

 

Ganz am nordöstlichen Rand Berlins befindet sich versteckt hinter hohen Hochhäusern ein unscheinbarer Klinkerbau: Das Gemeindezentrum und die Kirche Marzahn Nord. Nachdem die SED  nach langem Ringen dem Kirchbau zugestimmt hatte, ist sie noch zu DDR-Zeiten im März 1989 eingeweiht worden. 4200 Menschen gehören heute zu der Gemeinde. Für Pfarrerin Katharina Dang steht der Kontakt mit den Menschen des Bezirks an erster Stelle. Dazu gehört auch die Integrationsarbeit. So bietet die Gemeinde unter anderem Deutschunterricht „für einheimische und ausländische Erwachsene“ an. Auch die Teilnahme an der Interkulturellen Woche in Berlin, die in diesem Jahr vom 15. September bis 3. Oktober stattfindet, ist für viele Gemeindemitglieder eine Selbstverständlichkeit. Frau Dang hat in diesem Jahr ihr 20-jähriges Dienstjubiläum. Seit 1992 ist sie Pfarrerin in Marzahn und musste dabei zusehen, wie immer weniger Kinder zur Christenlehre kommen und immer weniger Konfirmanden ihr Glaubensbekenntnis ablegen. Seit 2011 steuert sie dagegen an.

Das Wort Christenlehre schreckt die Kinder ab

Die Gemeindewebsite informiert über aktuelle Veranstaltungen. Vor allem für interessierte Kinder gibt es ein großes Angebot, die Kirche zunächst unverbindlich kennen zu lernen. „Die Kinder schreckt das Wort Christenlehre ab“, erzählt die Theologin, „deshalb nennen wir die wöchentlichen Treffen nun Kinder-Kirchen-Klub“. Für die vielen Angebote für Kinder wurde die Gemeinde mit dem EKBO-Hahn 2011 für gelungene kirchliche Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet. Mittwochs können Kinder zwischen 15 und 18 Uhr vorbeikommen, zusammen spielen, basteln und Geschichten aus der Bibel lesen. Doch das seit Herbst letzten Jahres bestehende Angebot wird bislang noch nicht in dem Maße angenommen, wie es sich die Initiatoren vorgestellt hatten. Dass die Geschichten von David und den Treffen der Jünger Jesu am See Genezareth auch tatsächlich Geschichte sind, soll in dem Projekt „Zeitreise – den Zeittunnel betreten“ deutlich werden. „Die historischen Figuren und Orte der Bibel sind zum großen Teil wissenschaftlich belegt“, sagt Katharina Dang. Also warum die Bibel nicht auch als Geschichtszeugnis begreifen? Durch alle Gemeinderäume und die Kirche der Gemeinde Marzahn Nord ziehen sich mehr als 70 Meter Tunnel aus Stoff, die über acht Stationen durch 3000 Jahre biblische Geschichte führen. Katharina Dang hat extra für dieses Projekt einen zwölf Meter langen Zeitstrahl aus Papier gebastelt, auf dem deutlich wird, wie viel Geschichte ein Mensch in seinem Leben miterleben kan

Am Puls der Zeit bleiben

An drei Tagen im Juni können Schulklassen an mehreren Stationen die verschiedenen Wege, die die Kirche bis zur Gegenwart genommen hat, verstehen lernen, gemeinsam diskutieren und König David höchst persönlich begegnen. Am Samstag können alle Interessierten zu Besuch kommen. Auch die moderne Kirche wird ihren Platz finden, wenn den Schülern gezeigt wird, wie präsent Kirche und Glaube im Netz sind. Pfarrerin Dang möchte am Puls der Zeit bleiben, nur so kann die Gemeinde am Leben des Bezirks teilhaben. Zu der modernen Ausrichtung der Gemeinde gehört es auch, dass sie einen eigenen Förderverein hat. Das Projekt „ZusammenLEBEN“ möchte Menschen mit dem Leben in der Gemeinde vertraut machen, bevor sie möglichweise in die Kirche eintreten. So verteilten die Vereinsmitglieder beim Höflichkeitstag im Einkaufszentrum East Gate gelbe und rote Karten zum Thema Höflichkeit im Alltag. Auch beim nächsten Aktionstag am 27. Okto-ber möchte Katharina Dang wieder dabei sein und Werte vermitteln.

 

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