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15.05.2012
Von: Richard Schröder

Einfühlung lernen

 

Internet und Handy zeigen Jugendlichen nur einen Teil der Wirklichkeit. Die „Löwenberger Initiative“ fordert deshalb ein soziales Pflichtjahr

Als der Bürgermeister von Fürstenberg, Robert Philipp, auf dem Neujahrsempfang die Ehrenamtlichen würdigte, stellte er die Frage: „Und wo sind die Jungen? Wir brauchen ein soziales Pflichtjahr.“ Pfarrer Gerhard Gabriel las das in der Zeitung, griff zum Telefon und fand schnell etwa 15 Personen aus dem Umland, Kommunalpolitiker, Lehrer, Ärzte, Naturschützer, Pfarrer, die ein soziales Pflichtjahr befürworten. Die „Löwenberger Initiative“ war geboren. Ich wurde gebeten, an der Formulierung eines Aufrufs mitzuwirken, für den es inzwischen eine Liste von Unterstützern gibt. Wir fordern ein soziales Pflichtjahr auf gesetzlicher Grundlage für Jugendliche beiderlei Geschlechts zwischen dem 18. und dem 25. Lebensjahr, das dem Dienst für Mitmenschen, Kultur und Natur gewidmet ist, und zwar zuerst im Interesse der Jugendlichen. Was sich durch Computer, Internet, Handy, Disco und in der Clique Gleichaltriger erschließt, ist nicht die ganze Wirklichkeit. Das soziale Pflichtjahr soll neue Horizonte eröffnen. Wer Alte unterstützt oder Kindern hilft, wer Natur bewahrt oder Kulturgüter pflegt, gewinnt an Empathie, an Einfühlungsvermögen und Engagement.

Scheu vor der Pflicht

Der häufigste Einwand lautet: warum Pflicht? Freiwilligkeit ist doch viel besser. Wir sind aber der Auffassung, dass gerade diejenigen, die dergleichen wohl nicht freiwillig wahrnehmen, solche Herausforderungen und den Wechsel der Umgebung wohl gar besonders nötig haben. Extremistische Haltungen gedeihen besonders in beschränkten und isolierten Milieus. Die besten Heilmittel sind: frischer Wind, neue Herausforderungen, neue Umgebung, neue Erfahrung. Ich verstehe die Scheu vor dem Wort „Pflicht“ nicht. Pflichten, wohin man schaut: die Sorgfaltspflicht des Arztes oder Busfahrers, die Zahlungspflicht des Kunden, die Unterhaltspflicht. Pflichten sind doch das Gegengewicht zu Rechten. Wenn ich das Vorfahrtsrecht habe, haben die anderen Verkehrsteilnehmer die Pflicht, mir die Vorfahrt zu gewähren. Sonst werden sie bestraft. Die beste Analogie zum sozialen Pflichtjahr ist aber die Schulpflicht, denn auch diese liegt zuerst im Interesse derer, die zur Schule gehen müssen.
Verfassungswidrig sei solch ein Pflichtjahr, so die Kritiker. Irrtum. In Artikel 12(2) des Grundgesetzes wird eine allgemeine, für alle gleiche öffentliche Dienstleistungspflicht ausdrücklich zugelassen. Das soziale Pflichtjahr soll an die guten Erfahrungen mit dem Zivildienst anknüpfen. Viele sagen, diese Erfahrungen möchten sie nicht missen.

 

 

Kontakt: Pfarrer Gerhard Gabriel, Telefon (033094) 80766

 

 

Aufruf Löwenberger Initiative

Ziel unserer Initiative ist ein soziales Pflichtjahr auf gesetzlicher Grundlage für Jugendliche beiderlei Geschlechts zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr, das dem Dienst für Mitmenschen, Kultur und Natur gewidmet ist.

Wir fordern dieses soziale Pflichtjahr vorrangig im Interesse der Jugendlichen. Es soll ihnen gemeinwohlorientierte Tätigkeiten ermöglichen, deren Sinnhaftigkeit unmittelbar erfahrbar ist, und neue Horizonte eröffnen. Wer Alte unterstützt oder Kindern hilft, wer Natur bewahrt oder Kulturgüter pflegt, gewinnt an Empathie und Engagement.  

Es gibt ja bereits derartige Angebote, die auch von vielen freiwillig wahrgenommen werden. Wir sprechen uns trotzdem für ein Pflichtjahr aus, weil gerade diejenigen, die dergleichen  nicht freiwillig wahrnehmen, solche Herausforderungen und den Wechsel der Umgebung wohl gar dringend nötig haben. Extremistische Haltungen gedeihen besonders in beschränkten und isolierten Milieus. Die besten Heilmittel sind: frischer Wind, neue Herausforderungen, neue Umgebung, neue Erfahrungen.

Es gibt außerdem in unserer Gesellschaft einen beachtlichen Bedarf an Leistungen, die durch normale Berufstätigkeit nur unzureichend erbracht werden. In einer alternden Gesellschaft steigt der Bedarf an Betreuung bereits unterhalb der Pflegebedürftigkeit. Aber auch in Schulen und Vereinen gibt es unterstützende Tätigkeiten, die nicht von den professionell Beschäftigten hinreichend bewältigt werden können.

 

Das Pflichtjahr soll bei allen gemeinnützigen Rechtsträgern absolviert werden können, also etwa in Kommunen, Kirchen, Krankenhäusern, diakonischen und caritativen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten, Theatern, Natur- und Umweltschutzorganisationen. Wo die sprachlichen und sonstigen Voraussetzungen gegeben sind, sollte auch ein Einsatz im Ausland (Entwicklungsdienste) möglich sein. Der befristete Dienst in der Bundeswehr ersetzt das Pflichtjahr.  

Die Tätigkeiten dürfen keinen kommerziellen Charakter haben und keine regulären Arbeitsplätze verdrängen oder gefährden. 

 

Unsere Initiative knüpft an die guten Erfahrungen mit dem Zivildienst und freiwilligen Diensten an.

 

Prof. Dr. Richard Schröder

 

Und Redaktionsgruppe: Robert Philipp, Bürgermeister; Gerhard Gabriel, Pfarrer; Klaus Bresemann, Angestellter; Uwe Zietmann, Schulleiter; Dietmar Tillack, Revierpolizist; Uwe Simon, Superintendent; Arno Dahlenberg, Bürgermeister; Frank Stege, Amtsdirektor; Bärbel Stöcker, Lehrerin; Joachim Stöcker, Rentner; Axel Klicks, Schulleiter; Bernd-Christian Schneck, Bürgermeister; Fred Plessow, Bäckermeister; Michael Grüber, Ortsvorsteher; Hans-Joachim Laesicke, Bürgermeister.

 


Anbei eine Namensliste mit Befürwortern der Initiative:

 

EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDEN

GRÜNEBERG / TESCHENDORF /    LÖWENBERG

_____________________________                                                        

 

Evangelisches  Pfarramt  Grüneberg

 

Pfarrer Gerhard Gabriel

Dorfstraße 57                                      

16775 Grüneberg

Pfarrer

 

Tel./Fax: ( 03 30 94 ) 8 07 66

e-mail: gerhard-gabriel@t-online.de                                            Grüneberg, d. 20.02.2012

 

 

Initiative zur gesetzlichen Einführung eines

SOZIALEN-PFLICHT-DIENST-JAHRES

In der Bundesrepublik Deutschland

Getragen von:

Robert Philipp, Bürgermeister Fürstenberg

Gerhard Gabriel, Pfarrer Grüneberg

Richard Schröder, Prof. Dr. Humboldt Universität

Karl-Heinz Schröter, Landrat OHV

Norbert Gansel, Bürgermeister a.D. Kiel

Uwe Simon, Superintendent Kirchenkreises Oberes Havelland

Bernd-Christian Schneck, Bürgermeister Löwenberger Land

Klaus Mewes, Bürgermeister a.D., Farsleben

Frank Steege, Amtsdirektor Gransee

Beate Wolf, Pfarrerin und Gefängnisseelsorgerin

Mathias Wolf, Pfarrer in Menz

Arno Dahlenburg, Bürgermeister Zehdenick

Eckhard Dierig, Superintendent a.D. u. Pfarrer Kirchen/Wehbach

Frank Bommert, Landtagsabgeordneter Potsdam  

Michael Grüber, Ortsvorsteher Teschendorf

Roland Grüber, Verwaltung Löwenberger Land

Peter Merseburger, ARD-Korespondent a.D. u. Schriftsteller

Henryk Wichmann, Landtagsabgeordneter Potsdam

Wolf Krötke, Prof. Dr. Humboldt Universität

Hans-Joachim Laesicke, Bürgermeister Oranienburg

Eduard Berger, Bischof i.R., Beauftragter der EKD Polizeiseelsorge BRD a.D.

Fred Plessow, Bäckermeister, Teschendorf

Axel Klicks, Amtierender Schulleiter Löwenberg

Ralf Schwieger, Pfarrer Friedrichswalde

Dr. Frank Thierfelder, Chefarzt OHV Klinik Gransee

Paul Sömmer, Leiter der Naturschutzstation Woblitz  

Dr. Johannes Feldmann, Pastor, Vorstand und Vorsitzender der Geschäftsführung der Hoffnungsthaler Stiftung Lobethal

Hans-Ulrich Schulz, Generalsuperintendent a.D. Potsdam

Dr. Roger Kirchner, Cottbus, Facharzt f. Psychotherapie u. Psychoanalyse, Leiter der Akademie für Tiefenpsychologie in Brandenburg,

Manfred Lüttkepohl, Leiter Naturwacht Brandenburg, Werder

Ruth Lüttkepohl, Krankenschwester, Werder

Hans Uwe Mergener, Dipl.päd., Kapitän zur See,

Stellvertretender Standortkommandeur Berlin

Dr. Hans Joachim Maaz, Leiter des Choriner Instituts für Tiefenpsychologie und Psychosoziale Prävention

Joachim Stöcker, Politiker a.D., Neulögow

Bärbel Stöcker, Lehrerin, i.R.

Reiner Dabrowski, Landespfarrer für Gefängnisseelsorge in Berlin-Brandenburg

Hartmut Grosch, Kantor, Rheinsberg

Ernst-Günther Heide, Pfarrer in der Gefängnisseelsorge, Luckau-Duben

Dr.Dr. Markus Schade, Geologe, Theuern

Karin Schade, Journalistin, Theuern

Joachim Zillmann, Ingenieur (Siemens), Berlin

Angelika Zillmann, Hausfrau, Berlin

Arno Wasilewski, Ingenieur, Berlin

Silvia Wasilewski, Lehrerin, Berlin

Dr. Geraldine Preuss, Ärztin, Charite – Institut für Arbeitsmedizin

Werner-Christian Jung, Studienleiter ev. Landjugendakademie Altenkirchen aD

Waltraud Kaminski, Reinigungskraft, Menz

Dr. Wilhelm Hüffmeier, Leiter der Kirchenkanzlei der EKU a. D., Potsdam

Dr. Wolfgang Henkel, Menz

Reinhard Dalchow, Umweltbeauftragter der Ev. Kirche Berlin Brandenburg,

Klaus Bresemann, Menz

Dr. Heidelore Köckert, Humboldt-Universität Berlin

Dr. Matthias Köckert, Prof. Humboldt-Universtät Berlin

Hans-Joachim Vanselow, Pfarrer, Falkenthal,

Dietmar Tillack, Revierpolizist, Löwenberg

Dr. Johann Brüning, Arzt, Stiftung „Hof Grüneberg“

Wendy Bartsch-Brüning, Landwirtin, Stiftung „Hof Grüneberg“

Richard Gabriel, Dipl. Des., Köln

Anna Gabriel, Dipl. Kommunikationswirtin, Berlin

Christine Gabriel, Diplom Formgestalterin, Mühlenhaupt Museum Bergsdorf

Clemens Fülle, Lehrer für Musik und Ev. Religion, Halle/Saale (Zivi 2006)

Ilse Fründ, Rentnerin, ehemalige Bäuerin und Kindergärtnerin, Jahrgang 1925

Udo Folgart, Präsident des Bauernverbandes Brandenburg

Martin Stemmler, Pfr.i.R. Lonvitz / Rügen;

Liane Schnitzler, Ärztin, Ratingen

Edgar Schnitzler, Arzt, Ratingen

Günter Schobert, Pfarrer, Mildenberg

Dr. Hans-Dieter Knapp, Naturschützer, Vilm, Honorarprofessor Uni Greifswald

Dr. Reinhard Piechocki, Naturschützer, Mitbegründer des Umweltinstituts DDR

Thomas Juergenson, Pastor, Fürstenberg

Dr. Eberhard Jüngel, Prof. Dr. Tübingen

Heilgard Asmus, Generalsuperintendentin, Potsdam

Dr. Reinhard Müller-Zetsche, Superintendent, Uckermark

Volker Sparre, amt. Superintendent, Pritzwalk-Havelberg

Thomas Tutschke, Superintendent, Nauen-Rathenow

Uwe Breithor, Leitungskreis Kirchenkreis Brandenburg-Mittelmark

Heinz-Joachim Lohmann, Leitungskreis Kirchenkreis Brandenburg-Mittelmark

Matthias Puppe, Superintendent, Wittstock-Ruppin

Joachim Harder, Superintendent, Kyritz-Wusterhausen

Dr. Joachim Zehner, Superintendent, Potsdam

Cordula Beier, Vorsitzende der kollegialen Leitung, Barnim

Albrecht Preisler, stellv. Superintendent, Perleberg-Wittenberge

Patrick Beirle, Pastoralreferent und Gestalttherapeut, Berlin

Heiko Borchardt, Justizangestellter, Zehdenick

Birgit Lorenz, Lehrerin, Berlin

Holger Baum, Pfarrer. Lindow

Karin Baum, Kirchenmusikerin, Lindow

Maurice Weiss, Fotograf,  DER SPIEGEL, Berlin

Johannes Heidler, Pfarrer i.R., Berlin

Steffi Schicker, Gleichstellungsbeauftragte Naumburg, (03445 273113)

Martin Sattler, Förster, Naumburg

Martin Schubach, Kirchenmusiker, Gransee

 

 

 

2 Kommentare

Seite 1 von 1 1

Wieland Wolf schrieb am 22.03.2013 20:33 answer

Sehr geehrter Herr Banse,

 

Ich habe mich vor guten einem dreiviertel Jahr dafür entschieden ein Freiwilligendienst zu machen. Ich habe mich für das FÖJ ( freiwilliges ökologiches Jahr) entschieden, da es für mich wichtig ist sich als Jugendlicher in die Umwelt des Menschen und deren Schutz zu integrieren.

Das am Rande

 

Ich wurde nach Beginn meines FÖJ´s zum Landessprecher des FÖJ´s in Brandenburg gewählt. Als dieser erlaube ich mir ein Urteil über die Aussage " Ein Ruck muss unter jungen Menschen ausgehen,die sich freiwillig in den Dienst der guten Sache stellen,je nach Eignung,Neigung und Fähigkeit.Menschen die etwas freiwilliges tun,hier im Ehrenamt sind motivierter,engagierter,als wenn sie dazu genötigt werden,per Gesetzesvorlage." zu geben.

 

Viele Jungendliche, mit denen ich zutun habe (privat aber auch durch mein Amt) sind der Meinung, dass ein solches Pflichtjahr auf jeden Fall eingeführt werden sollte.

Warum? Es gibt einige Jugendlich die selbst auf die Idee kommen ein FSJ/FÖJ usw. zu machen, aber leider muss ich anmerken das viele von dieser Möglichkeit nicht wissen. Dieses Jahr ist und bleibt unbestritten ein Jahr aus dem der Teilnehmer einen unglaublichen Erfahrungsbonus zieht und sich in allen Bereichen auf sein späteres Berufsleben vorbereiten und einstimmen kann. Gerade dieses Jahr würde vielen Menschen, sollte es Pflicht sein, helfen eben diese Vorbereitung zu erlangen.

 

Dennoch bleibt das Argument, dass es schon die 3 großen Freiwilligendienste (FÖJ/FSJ/BFD) gibt.

Dazu meine Antwort:

Ich würde beführworten, dass man als Ausgleich ein FÖJ, FSJ oder BFD machen kann wie es auch beim Wehrdienst den Zivildienst gab.

 

Auf die Frage, "Warum sollte man das FÖJ,FSJ nicht integrieren?"

Antwort: Es gibt in beiden Frewilligendienst ein Sprechersystem, welches die FÖSJlerInn Landesweit vertritt und vieles in der Gestalltung dieser Dienste bewegen kann. (Beim FÖJ sogar auf Bundesebene)

 

Sollten sie aber mehr dazu wissen wollen, erreichen sie mich mit einer Mail (wieland.wolf@foej.net)

 

MfG

Wieland Wolf

FÖJ-Landessprecher Brandenburg

Wolfgang Banse schrieb am 15.05.2012 16:19 answer

Freiwilligkeitsjahr ist zu begrüßen,ein sogenanntes Pflichtjahr

sollte nicht eingeführt werden

Der eremitierte Theologieprofessor Schröder fordert und plädiert für ein soziales Pflichtjahr.Menschen stehen einer Aufgabe positiv gegenüber,wenn sie es freiwillig tun,als wenn sie zu einer Aufgabe,zu einem Dienst zwangsverpflichtet werden.

Ein Ruck muss unter jungen Menschen ausgehen,die sich freiwillig in den Dienst der guten Sache stellen,je nach Eignung,Neigung und Fähigkeit.Menschen die etwas freiwilliges tun,hier im Ehrenamt sind motivierter,engagierter,als wenn sie dazu genötigt werden,per Gesetzesvorlage.

Den Unterzeichnern der Initiative

zur gesetzlichen Einführung eines

Sozialen-Pflicht-Dienst-Jahres in der Bundesrepublik-Deutschland sollte

keine große Aufmerksamkeit gewidmet werden,im Bezug auf die Nötigung zu etwas per Gesetz gezwungen zu werden.Anders würde es sich verhalten,wenn ein Appell Frucht bringen würde,wenn junge Menschen sich freiwillig für eine bestimmte Zeit auf unterschiedlicher Weise im sozialen,diakonischen,caritativen Bereich,im Umweltbreich engagieren würden.

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