Jüdisches Leben

Bischof Markus Dröge

Von Markus Dröge

Halleluja! So rufen wir manchmal, wenn wir froh oder erleichtert sind. Halleluja, es ist geschafft! Eigentlich bedeutet Halleluja: Lobt Gott! Das Wort stammt aus dem Hebräischen und hat seinen ursprünglichen Sitz im Leben im jüdischen Gottesdienst. In den biblischen Psalmen kommt es oft vor. Sie fordern damit zum Lob Gottes auf. Und das tun auch wir, wenn wir in unseren Gottes­diensten mit diesen Worten singen und beten: Halleluja, lobe den Herrn meine Seele!
Die Psalmen sind das Gesangbuch der hebräischen Bibel. Hier finden wir Worte, die unsere Seele erreichen und oft besser als unsere eigenen zum Ausdruck bringen, was uns bewegt und wonach wir uns sehnen.

Am Sonntag feiern wir Israelsonntag. Wir erinnern damit an unsere besondere Verbundenheit mit dem Judentum. Nicht nur das Halleluja ist jüdischen Ursprungs. Wir beten Psalmen des jüdischen Gesangbuchs. Wir lesen Texte aus der hebräischen Bibel. Wir predigen über sie. Seit diesem Jahr, seit Einführung der neuen Perikopenordnung, sogar ganz bewusst öfter als in den zurückliegenden Jahren.

Der Schöpfungsbericht, die Geschichte von der Arche Noah, die Erzählung von Josef und seinen Brüdern: Diese jüdische Tradition hilft uns bis heute, uns selbst und die Welt besser zu verstehen. Und diese Tradition gehört Juden und Christen gemeinsam. Wir sind verbunden in unserem Glauben an den einen Gott, der die Welt erschaffen hat. Mit unseren jüdischen Geschwistern zusammen hoffen wir auf die Wandlung der Welt hin zu Frieden und Gerechtigkeit.
Auch ein anderes hebräisches Wort ist in unsern Sprachgebrauch übergegangen: Amen. So sei es.

Damit drücken wir unsere Zustimmung aus. Unter dieser Überschrift hat unsere Kirche jetzt zusammengefasst, wo jüdische Elemente in unseren Gottesdiensten vorkommen. Und wo jüdischer Glaube verletzt wird. Das Christentum hat sich über Jahrhunderte dem Judentum überlegen gefühlt. In unserer Sprache, in manchen Liedern und Gebeten wird dies immer noch deutlich. Das christliche Glaubensbekenntnis erzählt zum Beispiel nicht von der Verwurzelung des christlichen Glaubens im Judentum. Aus dem jüdisch-christlichen Dialog kommt daher der Vorschlag, im Gottesdienst auch immer wieder das Glaubenslied von Gerhard Bauer zu singen, das dichtet: „Wir glauben, Gott hat ihn erwählt, den Juden Jesus für die Welt“ (Singt Jubilate 48).

Es ist ein Segen und nicht selbstverständlich, dass es wieder ein reiches jüdisches Leben in unserem Land gibt. Ich bin dankbar für das Gespräch, das Juden und Christen hier miteinander führen. Und es tut mir in der Seele weh, dass wir jüdische Einrichtungen, Schulen und Synagogen immer noch schützen müssen, in der letzten Zeit leider wieder verstärkt. Und dass Menschen aufgrund ihrer jüdischen Identität beleidigt und attackiert werden. Das Judentum ist die Wurzel des Christentums. Jesus war Jude und ist auch als Jude gestorben und auferstanden. Das besingen wir Ostern mit diesem hebräischen Wort: Halleluja!

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