70 Jahre EKD-Synode

Bischof Markus Dröge

Von Markus Dröge

Dieses Jahr wird die EKD, die Evangelische ­Kirche in Deutschland, 70 Jahre alt. Die erste ­Synode fand vom 9. bis 13. Januar 1949 in Bethel statt. Es war ein Neubeginn nach der düsteren Zeit des Nationalsozialismus. Der Neubeginn spiegelt sich im Namen: „Evangelische Kirche in Deutschland“ statt des bisherigen Namens „Deutsche Evangelische Kirche“ – eine klare ­Abgrenzung gegenüber denjenigen, die sich ab 1933 unter dem Einfluss der Nationalsozialisten als „Deutsche Christen“ zusammengetan hatten, mit dem Ziel, eine staatstreue sogenannte „Reichskirche“ zu bilden.

Von Januar 1949 bis 1969 waren wir gesamtdeutsch als EKD vereint. Mit dem Mauerbau 1961 wurde die gemeinsame Arbeit erheblich ­erschwert. 1969 – vor 50 Jahren – gründete sich der „Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR“. Ziel dieses Bundes war es, eine Struktur zu schaffen, die es der evangelischen Kirche in der DDR ermög­lichen sollte, ihre Aufgabe unter verschärften Bedingungen eines glaubensfeindlichen Regimes besser wahrnehmen zu können.

Dennoch blieb die Verbindung unter den evangelischen Kirchen in Ost und West eng und stabil: flächendeckende Gemeindepartnerschaften über die Mauer hinweg; Synoden, die parallel in Ost und West stattfanden. „Brot für die Welt“ wurde als gemeinsame Aktion beibe­halten. Das Engagement für den Konziliaren Prozess in den 1980er Jahren verband die evangelischen Christen über die Mauer hinweg. ­Engagiert und mutig haben sich Christen in der DDR für Gerechtigkeit, Frieden und Umweltschutz, für den Erhalt der Schöpfung, eingesetzt. Aber eben auch und vor allem für die bürger­liche Freiheit und die Gewissensfreiheit, ganz im Sinne der Reformatoren.

Dieses Engagement in der DDR, unter widrigsten Umständen, hat mich damals, als junger Pfarrer in Westdeutschland, sehr beeindruckt und ermutigt. Ich sah darin eine Glaubens­haltung, in der ich den Geist der Bekennenden Kirche der 1930er Jahre wiederentdeckte: Kirche im Staat als kritisches Gegenüber, nicht Kirche für den Staat oder gar unter dem Staat. Evangelische Gemeinden in der DDR boten Schutz für diejenigen, die für die Freiheit eintraten oder die ausgegrenzt wurden, weil sie einen Ausreise­antrag gestellt hatten.

Die Tradition dieses Engagements prägt ­unsere Landeskirche bis heute. Ich bin dankbar dafür, dass wir durch diese Erfahrungs­geschichte viele starke und glaubensbewusste Frauen und Männer haben, die ihren Glauben mit gesellschaftlicher Verantwortung ver­binden. Das Erbe der Bekennenden Kirche, des Konziliaren Prozesses und der Friedlichen Revolution ist ein wertvolles Gut!

Heute, bald 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution und 70 Jahre nach Gründung der EKD, ist es deshalb wichtig, an diese Tradition und die Rolle der evangelischen Kirche in der DDR zu ­erinnern. Das historische Gedächtnis ist kurz. Immer weniger Menschen wissen, welchen Beitrag die evangelische Kirche für die Friedliche Revolution im November ’89 geleistet hat. Auch innerhalb der Gemeinschaft der EKD muss dieses Erbe bewusst gepflegt werden.

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Kommentar von Geisler Knut |

Die Kurzinfo von Bischof Dröge hat mir gefallen. Als Gemeindepfarrer habe ich auch an den Kirchentagen in Dresden, Regionalkirchentagen in Leipzig und Dresden mit einem verhältnimäßig großen Gemeindekreis teilnehmen können und diese Arbeit aus dem damaligen Karl-Marx-Stadt sowie aus Radebeul-West bewußt mit gestaltet. Herzlichen Gruß Ihr Knut Geisler - eine sehr intensive Partnerschaft verband uns mit niederländischen Christen.