Fridays for Future

Bischof Markus Dröge

Von Markus Dröge

Eine bemerkenswerte Debatte wird im Moment in Deutschland geführt: Dürfen Schülerinnen und Schüler die Schule schwänzen, also vorsätzlich die gesetzliche Schulpflicht verletzen, um für mehr Engagement der Politik gegen den ­Klimawandel zu demonstrieren? Jeden Freitag gehen sie nun auf die Straße, um ihre Stimme zu erheben und zu fordern, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Dass nämlich internationale Abkommen wie auch nationale Ziele zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes umgesetzt werden. Die jungen Aktivistinnen und Aktivisten gehören einer Generation an, der häufig nachgesagt wird, sie sei zu unpolitisch, zu passiv. Nun, da sie auf einmal sehr aktiv werden, hagelt es Kritik: Sie sollten lieber in die Schule gehen und etwas Vernünftiges lernen, statt sich in Dinge einzumischen, von denen sie ohnehin nichts verstehen. Dabei ist die Botschaft der jungen Menschen so klar wie einleuchtend: Tut endlich das, was Ihr uns versprochen habt, Ihr Verantwortlichen!

Die Bewegung „Fridays for Future“ setzt sich für ein Anliegen ein, das auch unser Anliegen als Christinnen und Christen ist: der Erhalt der Schöpfung Gottes. Schon vor Jahrzehnten haben die christlichen Kirchen begonnen, sich verstärkt für Gerechtigkeit, Frieden und ebenso pointiert für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. 1983 wurde dieser ökumenische Lernweg im kanadischen Vancouver für die weltweite Christenheit formuliert und 1990 im südkoreanischen Seoul in einer „Grundüberzeugung“ bestärkt: „Da die Schöpfung von Gott ist und seine Güte die ganze Schöpfung durchdringt, sollen wir alles Leben heilig halten …“ In dem aktuellen Jubiläumsjahr 2019, in dem wir 30 Jahre Friedlicher Revolution gedenken, erinnern wir uns auch an 30 Jahre Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in Dresden und Magdeburg.

Ich freue mich besonders, dass fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schulstiftung bei „Fridays for Future“ aktiv sind. Die Evangelische Schule Friedrichshain ist regelmäßig mit dabei, andere verbinden ihr Engagement mit Projekttagen und Exkursionen wie die Evangelische Schule Köpenick. Die jungen Menschen setzen um, was ihnen an christlichem Menschen- und Weltbild in unseren Schulen vermittelt wird: für unsere Werte zu stehen und auch gegen Widerstände dem ­eigenen Gewissen und den eigenen Überzeugungen zu folgen. Gezielte, zeichenhafte Überschreitung von Regeln kann dazu gehören. Das hat Jesus ja bereits mit seinem „Ährenraufen am Sabbat“ (Markus 2,23–27) deutlich gemacht.

Wir sind als Christen in der Welt, um Verantwortung zu übernehmen, für unsere Mitmenschen und die Umwelt, die Gott uns geschenkt hat. Die Kinder und Jugendlichen, die freitags auf die Straße gehen, bringen eine neue Dynamik in eine für kommende Generationen lebenswichtige gesellschaftliche Frage und fordern die Verantwortlichen heraus. Das ist gut so! „Wir setzen uns dafür ein, dass die Stimmen der demonstrierenden Schülerinnen und Schüler in den Familien, den Schulen, Kirchengemeinden und in der Politik Gehör finden“, so hat es der Kirchenkreis Prignitz als Beitrag zu dem Synodentext „Haltung zeigen“ gerade formuliert.

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