Ein Jahr nach dem Reformationsjubiläum

Bischof Markus Dröge

Von Bischof Markus Dröge

Ich hätte mir gewünscht, dass wir ein Jahr nach dem Jubiläumsreformationstag 2017 in diesem Jahr den 31. Oktober 2018 als gesetzlichen ­Feiertag begehen könnten, nicht nur in Brandenburg und Sachsen, sondern auch in Berlin. In Bremen und Hamburg, in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist er neu eingeführt ­worden. Nur Berlin verharrt in seiner Insellage und diskutiert immer noch, welcher Tag denn zum zusätzlichen Feiertag werden soll.

Die Vorstellung, es dürfe nicht der Reformationstag sein, weil er ja nur etwas für die Evangelischen sei, ist im vergangenen Jubiläumsjahr widerlegt worden: Die Grundbotschaft der ­Reformation ist die Verbindung von Freiheit und Verantwortung – Freiheit des Gewissens und Verantwortung für den Nächsten und das Gemeinwohl. Wie oft habe ich im vergangenen Jahr gespürt, dass genau diese Botschaft heute ankommt! Auch diejenigen, die diese Ethik nicht in Gott festmachen wollen, können ihr zustimmen. Denn die reformatorische Botschaft ist eine der Traditionsquellen unserer freiheit­lichen und sozialen Gesellschaftsordnung.

So wenig 2017 eine „Protestantenparty“ war, so wenig ist der Reformationstag ein rein ­konfessionelles Ereignis. Wir feiern als ­Bür­gerinnen und Bürger, dass die Reformation unsere Gesellschaft geprägt hat und dass es wichtig ist, sich die normativen Grundlagen ­unseres ­Gemeinwesens immer wieder bewusst zu ­machen. Wer da die Reformation als ­Traditionsquelle ausschließen will, verdrängt Wesentliches!

Eine wichtige Grunderfahrung des Jahres 2017 war, dass wir unerwartet gute Resonanz bekommen haben, wenn wir die Kirchenmauern verlassen haben: Kooperationen mit anderen ­gesellschaftlichen Institutionen im Bildungs-, Kultur-, Sozial- und Politikbereich waren sehr erfolgreich. Berührungsängste gab es dabei von Seiten unserer Partner viel weniger als erwartet. „Hinausgehen“ ist deshalb zu einem der Erfolgsrezepte des Jubiläumsjahres geworden. Beim ­Jubiläumsgottesdienst am 31. Oktober 2017 sind wir dann auch ganz handgreiflich hinausgegangen. Nicht nur weil die St. Nikolaikirche in ­Spandau, der Ursprungsort der Reformation in Brandenburg, zu klein war, haben wir den ­Gottesdienst von drinnen nach draußen gefeiert. In der Kirche und auf einer Bühne auf dem Reformationsplatz vor der Kirche. Videoleinwände drinnen und draußen haben uns zu einer Gottesdienstgemeinde werden lassen. Zu Beginn war das Zentrum der Liturgie drinnen, am Ende des Gottesdienstes draußen. Ein wunderbares Erlebnis: Wir verlassen die Mauern der Kirche, um unsere Botschaft weiterzutragen!

In diesem Jahr gehen wir auf eine andere Weise hinaus: Gottesdienst und Empfang der Kirchenleitung verlassen Berlin. Wir werden in Cottbus feiern. Wir zeigen: Die Kirchenleitung hat zwar ihren Sitz in Berlin, aber sie ist die Kirchenleitung für die ganze EKBO. Unsere Klausur war im September in Görlitz. Das Reformationsfest feiern wir in Cottbus. Aber nicht, dass ­jemand behauptet, wir würden am 31. Oktober Berlin verlassen, weil dort der Reformationstag immer noch nicht gesetzlicher Feiertag ist …

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