Bischof Markus Dröge über den Wahlsonntag: Auf dem Beteiligen liegt Segen!

Bischof Markus Dröge

Von Markus Dröge

An diesem Sonntag ist es wieder so weit: Wir, die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes sind aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Es wird dann für die nächsten vier Jahre über die politischen Geschicke unseres Gemeinwesens wachen. Ich möchte mich diesem Aufruf ausdrücklich anschließen: Gehen Sie wählen, machen Sie von Ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch! Unsere Demokratie ist kein Selbstläufer, sondern ein hohes Gut. Sie braucht Wählerinnen und Wähler, die politische Verantwortung legitimieren und Menschen, die bereit sind, diese Verantwortung anzunehmen, zu tragen und so gut wie möglich umzusetzen.

Einige kritisieren, dass sich die Kirche mit solchen Wahlermunterungen zu sehr in die Politik einmische. Die Kirchen sollen sich nach dieser Lesart raus halten und auf die geistigen und seelsorgerischen Dinge beschränken. Aber das ist falsch: „So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“, sagt Jesus im Matthäus-Evangelium. Damit wollte er nicht auf die Steuerdisziplin der Menschen anspielen. Es ging ihm vielmehr darum, dass es auch ein Diesseits gibt, in dem bestimmte Regeln des Zusammenlebens im Sinne des Allgemeinwohls gelten müssen. Ich lese daraus die Aufgabe für uns Christinnen und Christen, uns auch um die Gesellschaft, in der wir leben, zu sorgen und Verantwortung für unsere Nächsten zu übernehmen. Wir sollen Regierende und Regierte an Gottes Reich, Gebot und Gerechtigkeit erinnern. So hat es die Theologische Erklärung von Barmen in politisch brisanter Zeit aktualisiert. Ein Weg dazu sind Wahlen: Sie entscheiden auch darüber, welche Regeln und Gesetze wir uns, vertreten durch das Parlament, für unser Zusammenleben geben werden.

Der bekannte ehemalige Bundesverfassungsrichter und Rechtsphilosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde schrieb bereits 1976 in seinem Buch „Staat, Gesellschaft, Freiheit“, dass der freiheitliche, säkularisierte Staat von
Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann. Dieser Staat sind wir, und wir tragen die Verantwortung. Demokratie ist kein Geschenk, sondern muss ständig erarbeitet werden, wenn sie nicht sterben soll, wie es in diesem Land ja schon einmal geschehen ist.

Gerade in diesen politisch bewegten und gefährdeten Zeiten braucht es von uns Christen das klare Zeichen, dass wir unsere Demokratie stärken wollen, dass wir Menschenfeindlichkeit und Hass ablehnen, dass wir uns von Hetzern und Brüllern die gesellschaftlichen und politischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte nicht zerstören lassen. Bei aller legitimen Kritik im Einzelnen: Wir leben in der besten Demokratie, die unser Land je hatte. Das sollten wir uns immer wieder bewusst machen. Unser Motto für Sonntag sollte sein: „Mach dich auf und handle! Und der Herr möge mit dir sein!“ (1. Chronik 22,16). Gehen wir also wählen – denn auf aktiver Beteiligung liegt Segen.

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Kommentar von Götz Planer-Friedrich |

Woher weiß eigentlich der Bischof, dass Jesus mit dem Zitat aus Mt. gerade nicht die Steuerdisziplin gemeint habe? Für die "Regeln des Zusammenlebens", auf die Jesus auch reagiert hat, gäbe es bessere Zitate. Na wenn's der Bischof so genau weiß, bitte.