Bischof Markus Dröge über das Kuppelkreuz – ein Zeichen der Versöhnung

Bischof Markus Dröge

Von Bischof Markus Dröge

Das Kreuz auf der Kuppel – wenig sorgt im Moment in Berlin für so viel Diskussions- und Zündstoff wie der Plan, das teilrekonstruierte Berliner Stadtschlosses mit einem Kreuz zu krönen. Das Kuppelkreuz wurde im Zuge der Diskussion um die Rekonstruktion des Schlosses schon vor Jahren beschlossen und in die gültige Baugenehmigung eingezeichnet. Jetzt soll es wegdiskutiert werden: Ein „Rückfall ins preußische Obrigkeitsstaatendenken“ sei das Kreuz, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“. Die kulturpolitische Sprecherin der Linkspartei im Bundestag meinte, eine Hier­archie der Kulturen und Religionen, wie sie das Kreuz vorgebe, sei „absurd“. Und Kultursenator Klaus Lederer nannte das Vorhaben in einem Artikel der „Berliner Morgenpost“ „völlig anachronistisch“, denn das Humboldt Forum beherberge keine sakralen Räumlichkeiten.

Ich empfinde es als unhistorisch, das ­wilhelminische Stadtschloss seines Kreuzes zu berauben. Wer historisch rekonstruieren möchte und dabei einfach weglässt, was nicht gefällt, zerstört historische Zusammenhänge und offenbart ein verqueres Geschichtsverständnis. Die wilhelminische Staatsphilosophie und ihre Bauten können nicht ohne die enge Verbindung von Thron und Altar verstanden werden. Das Gottesgnadentum des preußischen Herrschers ist Teil der Geistes­geschichte unseres Landes – ob es uns gefällt oder nicht.

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