Bischof Markus Dröge über 20 Jahre Partnerschaft mit der polnischen Kirche

Bischof Markus Dröge

Von Bischof Markus Dröge

Für die Opposition in der DDR war die polnische Bürgerrechtsbewegung in den 1980er Jahren ein großes Vorbild. Musiker und Schauspieler trauten sich im sozialistischen Bruderland viel. Ein Aufbruch war in Polen zu spüren, den es in der engen DDR-Gesellschaft so noch nicht gab. Die Oppositionsgruppen in der DDR, die seit Anfang der 80er immer aktiver wurden, haben daraus viel Kraft und Mut geschöpft. Vor dem Hintergrund der atomaren Aufrüstung in Ost und West engagierten sich immer mehr Friedensgruppen, die christliche Friedensbewegung machte ein Zitat aus der ­Bibel „Schwerter zu Pflugscharen“ zu ihrem Motto. Vor allem Umweltgruppen der evangelischen Kirche thematisierten die zunehmende Umweltzerstörung, die sonst nicht öffentlich benannt werden durfte. So hat unsere Kirche manchen Mut auch aus den Begegnungen mit den mutigen polnischen Nachbarn gewonnen.

Inzwischen verbindet unsere Landeskirche mit der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen eine 20-jährige Partnerschaft. Diese werden wir mit einem Festgottesdienst am 3. September in der wunderbaren Friedenskirche im niederschlesischen Jauer feiern. 1997 wurde der Partnerschaftsvertrag von vielen Medien als historisch gewürdigt, als ein Beitrag zur Versöhnung zwischen den Ländern. Viel ist seitdem auch im politischen Bereich für die Versöhnung geleistet worden. Doch heute ist das politische Verhältnis zwischen Deutschland, der Europäischen Union und Polen zunehmend angespannt. Ein politischer Rechtsruck verändert seit zwei Jahren Polen. Und viele befürchten, dass sich Polen auf dem Weg zu einem autoritären Staat befindet.

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