Zwei Herzen schlagen, ach, in seiner Brust


Rolf Rosendahl ist Sozialpädagoge für den Bereich Jugendarbeit in Siemensstadt und Ehrenamtskoordinator in der Melanchthonkirchengemeinde in Berlin-Spandau

Von Friederike Höhn

32 Meter hoch ragt der Turm der Christophorus-Kirche über die Siemensstadt zwischen Charlottenburg und Spandau, über Mehrfamilienhäuser und den Werner-von-Siemens-Park. Ein Funkmast für die frohe Botschaft und Glockengeläut. Und ideal geeignet für die Verbreitung von freiem WLAN: Gemeinsam mit der Initiative „Freifunk.Berlin“ nahm sich Rolf Rosendahl 2013 der Sache an, organisierte eine Gruppe Jugendlicher und verlegte Leitungen. So gab es in Siemensstadt Internet rund um die Kirche – schon lange vor Godspot.

Zugegeben, das gehört nicht zu den primären Aufgaben des Sozial­pädagogen Rolf Rosendahl. Aber sein Einsatzgebiet ist ohnehin so vielfältig, dass sich eine genaue Jobbeschreibung verbietet. In der Gemeinde in Siemensstadt kümmert sich der 56-Jährige seit 1991 um die Jugend­arbeit. Das Jugendhaus „Chris“ hatte länger vor seiner Zeit einen schlechten Ruf. „Ein Pfarrer soll einen Konfirmanden gefragt haben: ‚Du gehst doch etwa nicht ins Chris?‘“, erzählt Rolf Rosendahl und lacht.

Gemeinsam mit den Jugend­lichen brachte er das Haus auf Vordermann, eine Fotowand zeigt die verschiedenen Bands, die es über die Jahre gab. Eine Küche mit Tresen wurde eingebaut, regelmäßig trifft sich die Jugendgruppe zu Themenabenden oder macht Ausflüge. Und natürlich findet hier auch die Konfi-Arbeit statt. Doch so gut wie Anfang der 1990er Jahre geht es den Gemeinden heute nicht mehr: „Alles halbiert sich“, sagt Rosendahl. Auch seine Stelle. Die andere Hälfte der Woche verbringt er daher seit drei Jahren knapp sechs Kilometer weiter westlich in der Spandauer Wilhelmstadt, wo er in der Melanchthon­gemeinde als Ehrenamtskoordinator tätig ist.

Hier organisiert er die ehrenamtliche Arbeit mit Geflüchteten. Dazu gehören eine Ausflugsgruppe für geflüchtete Kinder und das „Café International“, ein seit 2016 bestehendes Sprachcafé für Beheimatete und Geflüchtete. „Die Ehrenamtlichen organisieren im Café viel selbst, sodass es in den Ferien auch mal ohne mich läuft. Ich leite Themen und manchmal Spiele an, lade Referenten ein, kümmere mich um die Finanzierung und das Drumherum.“

Vermittler zu sein und anderen den Rücken freizuhalten, aber auch realistisch zu denken und nicht jede Idee zur Umsetzung zu bringen, das gehört zum Aufgabengebiet des Ehrenamtskoordinators. Diese Eigenschaften hat Rolf Rosendahl schon in seiner Studienzeit an den Tag gelegt. „Bei der Besetzung der Hochschule 1989 fiel mir die Rolle zu, die Extremen einzufangen. Das war für mich schwer zu akzeptieren, denn ich selbst sah mich ja auch als wilden, revolutionären Typ. Aber eine Kommilitonin sagte mir später dann: ‚Rolf, hättest du das nicht gemacht, dann hätten wir das machen müssen.‘“

Und diese Rolle übernimmt er auch als Ehrenamtskoordinator. Wenn es ihn nicht gäbe, würden sich die Ehrenamtlichen seine Aufgaben aufteilen. Aber dank Rosendahl bleibt den Engagierten Luft, die Sachen zu machen, die sie machen wollen und können.

Und es bewahrt sich eine gewisse Verstetigung. Die ist wichtig in der Arbeit mit Ehrenamtlern und ihren Wünschen, weiß Rosendahl. „Ehrenamtliche haben Ideen und erwarten, dass ich sie umsetze. Ich muss dafür sorgen, wie sich eine Idee langfristig halten kann und auch weiterentwickelt. Zu meinen Aufgaben gehört es dann eben, beides im Blick zu haben: den Ehrenamtlern Freiraum lassen und die Bedürfnisse der Gemeinde kennen. Das ist die Herausforderung des Jobs.“

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