Zu singen und zu spielen auf allerley Instrument

Blockflötentag
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Am 10. Januar ist Tag der Blockflöte. Ein Plädoyer von Felicitas Zink für das unterschätzte Instrument in der Kirchenmusik und im Gemeindeleben.

Von Felicitas Zink

Was ist schlimmer als eine Blockflöte? Antwort: zwei. Die Vorurteile gegenüber dem Holzblasinstrument sind oft groß. Dabei kann die tiefste ihrer Gattung, die Subbassflöte mit dem Stimmumfang F bis g‘ die gewaltigen Ausmaße einer stattlichen Orgelpfeife erreichen. Warum existiert diese bestehende Ablehnung gegenüber Blockflötenensembles? Denkt man an 20 gleichzeitig spielende Sopranflöten, allesamt nicht eingestimmt, kommt man dem Kern der Sache näher.

Ein großer Teil an dem verpönten Blockflötenklang geht in gewisser Hinsicht auf das Konto von Peter Harlan (1898–1966, Bruder des Filmregisseurs Veit Harlan). Er hatte die 1919 von Arnold Dolmetsch (1858–1940) in England wiederentdeckte Blockflöte vereinfacht und die intonationsmäßig ungenügende, sogenannte deutsche Bohrung eingeführt. In bester Absicht, denn es sollte ein einfaches, schnell zu erlernendes Instrument sein, was in der Wandervogel- und Jugendmusikbewegung wiederentdeckt wurde.

Bis heute kursieren im Verkauf Modelle mit der „deutschen Griffweise“. Ein Ärger für jede Blockflötenpädagogin, da diese Instrumente bestimmte Töne unsauber hinter legen. Besser intoniert sind Instrumente mit barocker Griffweise. Was die Erziehung des Blockflötenspielers zu gutem Hören nicht ersetzt. Und hier scheint das Kernproblem zu liegen.

Seit Dolmetsch und Harlan ent-wickelte sich die historisch informierte Aufführungspraxis enorm – und ebenso der Blockflötenbau. Längst ist die Blockflöte als Instrumentalfach an den Musikhochschulen international anerkannt. Die großartige Dorothee Oberlinger, selbst Professorin am Mozarteum in Salzburg, oder der Schweizer Solist Maurice Steger mit frappierender Stilistik machen als Virtuosen von sich reden. Viele andere wären zu nennen, die die Literatur aus dem 15. Jahrhundert bis hin zu Kompositionen von Zeitgenossen konzertreif interpretieren und kaum Fragen zur Virtuosität und den vielfältigen klanglichen Möglichkeiten der flauto dolce offen lassen.

Instrument mit therapeutischer Energie
Hans-Jürgen Hufnagel hat als Blockflötensolist vorgemacht, wie man mit „protestantischem Handgepäck“ gemeinsam mit bemerkenswerten Köpfen wie Jörg Zink, Pater Anselm Grün oder Margot Käßmann in Konzertmeditationen begeistern kann. Hufeisen spricht gerne von der „therapeutischen Energie“, die die Flöte für ihn besitze.

In ihrer Blütezeit wurde die flauto dolce nicht nur wie eine menschliche Stimme eingesetzt, sondern gemeinsam mit ihr oder in Kombination mit Streichern. 1619 schrieb der Komponist und Musiktheoretiker Michael Praetorius (1571–1621) im dritten Band seiner Schrift „Syntagma musicum“ von acht unterschiedlichen Blockflötengrößen, die in der Ensemblemusik eingesetzt würden.

Die Konzeption, mehrstimmig zu musizieren, war also angelegt, bis die Blockflöte im Barock dann mit den italienischen Streichorchestern nicht mehr mithalten konnten und eine weitere Blüte als Soloinstrument erlebte. Komponisten wie Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi und Benedetto Marcello haben prachtvolle Solowerke komponiert.

Man denke nicht zuletzt an die ergreifende Blockflötenpartie in Johann Sebastian Bachs Trauerkantate, den „Actus tragicus“ (Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit, BWV 106).

Für den traditionellen Blockflötenkreis gilt also eher der Rückblick in die Renaissance. In den Noten dieser Zeit stand oft: „zu singen und spielen auf allerley Instrument“, so überliefert es Praetorius. Die Zusammenstellung von Blockflöten in verschiedenen Lagen, Sopran, Alt, Tenor und Bass, kann eine mehrstimmige Komposition umsetzen – idealerweise um Großbass und Subbassblockflöten in der Tiefe erweitert oder in der Höhe als Farbgebung um Sopranino und Garkleinflötlein aufgehellt. Mehrchöriges Musizieren, alternierend mit Blechbläsern ist denkbar.

Blockflöten beleben die Kirchengemeinden
In Kirchengemeinden wird oft generationsübergreifend musiziert. Der Beginn mit der Sopranflöte bei Kindern ist die Regel. In etwa drei Jahren regelmäßigen Übens können Gehör, Finger- und vor allem Atemtechnik in den Grundlagen erlernt werden, um dann, wenn die Hände groß genug sind, zur Alt-, und Tenorflöte, später zur Bassflöte zu wechseln. Die heterogene Mischung der Mitglieder im Spielkreis ist außerdem bei der Besetzung mit unterschiedlich langen Flöten von Vorteil.

Für viele Gemeindeglieder bedeutet der Blockflötenkreis eine schöne Erweiterung des Gemeindelebens. Zu verschiedenen Anlässen, im Gottesdienst oder bei kleinen Konzerten können alle ihre Freizeit in den Dienst der Gemeinde stellen. Nicht unerwähnt bleiben sollte die Zusammenarbeit mit Chor und Kinderchor.

Das Blockflötenspiel bietet eine solide Basis für wohl intoniertes Zusammenspiel: Notenlesen und musikalische Grundlagen wie gutes Zählen und vor allem gutes Hören werden erworben. Wirklich wichtig sind auch die Atemübungen, die den Blockflötenton ganz und gar nicht vibrieren lassen sollen – das „Meckervibrato“ ist ein Tabu in jedem guten Ensemble.

Bei den Instrumenten spielt weniger der Preis als die gute Pflege eine wichtige Rolle. Umgang und fachgerechtes Einspielen sind wichtig. Jede Flöte sollte nach ihrer Intonation und Anspielweise ausgesucht werden, dabei muss ein Knickbass aus Plastik nicht schlecht wegkommen. Besser einer aus Kunststoff, als gar keiner! Die Mischung der Besetzung in Vier- oder der satt klingenden tiefen Achtfußlage macht nicht zuletzt den Reiz des Ensembleklangs aus. Experimentieren ist erwünscht.

Felicitas Zink spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr Blockflöte, unterrichtet und konzertiert mit Leidenschaft.

 

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