Ziemlich unaufgeregt

Digitaler Klingelbeutel
Foto: Jürgen Blume/epd



Der digitale Klingelbeutel ist gerade in einigen Gemeinden der Landeskirche im Testeinsatz. Und wie klappt das? „die Kirche“ hat mitgetestet

Von Friederike Höhn

Ein Dutzend Besucherinnen und Besucher haben sich am Sonntagabend in der Heilandskirche in Berlin-Moabit eingefunden, zum ganz normalen Abendgottesdienst. Pfarrerin Rebekka Weinmann predigt über einen roten Koffer voller Erinnerungen, es wird gesungen und die Orgel erklingt. Soweit alles wie gewohnt.

Dann wird die Kollekte angekündigt: Der digitale Klingelbeutel geht rum. Schon am Eingang hat jede Besucherin, jeder Besucher ein Infoblatt dazu ausgeteilt bekommen. Die Lektorin erklärt nochmal, wie es funktioniert, schon beginnt die Gemeinde, das Kollektenlied zu singen. Der Gemeindehelfer reicht den Beutel durch die Reihen. „Ein bisschen fester drücken“, sagt er, als das Kollektegeben per Kreditkarte auf Anhieb nicht klappen will. Karte einfach auflegen und schon gehen ein paar Euro an die Kältehilfe der Berliner Stadtmission – eine Sonderkollekte in der Testphase des digitalen Klingelbeutels.

Diese läuft seit Jahresbeginn in mehreren Gemeinden der EKBO. Vorher angekündigt werden die Gottesdienste nicht, um das Ganze in Ruhe und ohne Medienhype ausprobieren zu können. Kinderkrankheiten sollen so erkannt und behoben werden, ebenso die Akzeptanz bei den Gemeindegliedern und Gottesdienst­besucher*innen getestet werden.

Im Gottesdienst in der Heilands­kirche sitzt auch Hannah Wolff. Sie hat den digitalen Klingelbeutel mitentwickelt und begleitet ihn nun durch die Gottesdienste. Die Nachfrage von Gemeinden, die testen wollen, sei größer als die derzeitigen Möglichkeiten, sagt Hannah Wolff. Voraussetzung ist, dass es in der Kirche WLAN gibt, denn nur dann funktioniert alles.

Wie wichtig die Testphase ist, macht eine Herausforderung deutlich, die nun behoben werden soll: Die Liturgie sieht vor, die Klingelbeutel nach der Kollekte nach vorn zur Pfarrerin, zum Pfarrer zu bringen, der sie dann auf den Altar legt. Aber wie lässt sich jetzt die Kollekte am Ausgang bewerkstelligen? Entweder muss hier wieder auf das Körbchen oder den herkömmlichen Beutel zurückgegriffen werden – oder man braucht mehr digitale Klingelbeutel.

Um die 1500 Euro kosten diese aktuell, erklärt Hannah Wolff, denn die wenigen Exemplare, die es bisher gibt, sind alle in Handarbeit entstanden. Parallel zur Testphase laufen die Verhandlungen zur Finanzierung, auch mit anderen Landeskirchen, die sich für den digitalen Klingelbeutel „made by EKBO“ interessieren. Anvisiert sei ein Betrag unter 1000 Euro pro Stück, sagt die Expertin.

Auch das ist für viele Gemeinden sehr viel Geld, sodass die Anschaffung mehrerer Exemplare keine Lösung für das liturgische Problem ist. „Da müssen wir uns noch was überlegen, vielleicht ein Säckchen zum Abschrauben oder so“, sagt Hannah Wolff. Der digitale Klingelbeutel kann übrigens unterscheiden, welches Geld in den Reihen und welches am Ausgang gegeben wurde – am Zeitpunkt des Kartenauflegens.

Und was sagt der Gemeindehelfer? Für ihn war der Einsatz des digitalen Klingelbeutels „kein großes Ding“, schließlich sei er bereits viermal in Gottesdiensten der Gemeinde zum Einsatz gekommen und es klappe ganz gut. Dieses Mal haben nur ein oder zwei Besucherinnen die bargeldlose Funktion genutzt.

Das Potenzial ist aber größer: „Ich hätte auch gerne mit der Karte gespendet“, erzählt eine Gottesdienstbesucherin später. Doch leider habe sie noch keine entsprechende Karte, erkennbar am „Wellensymbol“. Ein lösbares Problem, weiß Hannah Wolff, diese könne bei der kontoführenden Bank angefragt werden. Früher oder später, wenn die Karten turnusgemäß ausgetauscht werden, steht die digitale Bezahlfunktion immer mehr Menschen zur Verfügung.

„Es ist ein Zusatzangebot“, sagt Hannah Wolff. Sie unterscheidet drei Generationen: die älteren, die beim Bargeld bleiben werden, die mittleren, für die beides in Frage kommt, und die jüngere Generation, für die digitales und bargeldloses Bezahlen mehr und mehr zum Alltag gehört. Und daher auch zum Gottesdienst.

Mehr Informationen unter
www.digitalerklingelbeutel.de

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