Wirtin in der Kirchenklause

Foto: Susanne Liedtke

 


Karin Bernickel serviert mit Humor und Witz Bier und Kuchen an der ersten Radwegekirche Deutschlands.

Von Susanne Liedtke

Ihre Spezialität ist Blechkuchen. An manchen Tagen backt sie davon 17 Stück – sechs sind es jedoch immer. Mohn, Apfel, Kirsche, mit ­dicken Butterstreußeln – wer schon einmal hier war, will ihn immer ­wieder. Wer ihn das erste Mal isst, ist glücklich über die Entdeckung. Dabei ist es gar nicht so leicht, hier zufällig vorbeizukommen – es sei denn, man ist per Rad auf dem ­Berlin-Usedom-Radweg unterwegs oder auf einem Konzert in der Glambecker Kirche zu Gast.

Hier im Herzen der Schorfheide steht an einem Stichweg die erste Radwegekirche Deutschlands. Direkt daneben eine kleine Gaststätte: die Kirchenklause von Karin Bernickel. Die Autobahn ist nah, aber nicht ­direkt erreichbar. Die einzigen ­beiden Straßen, die von Joachimsthal durch Wiesen und dichten Wald hierher führen, sind bessere Feldwege; teilweise mit Kopfsteinpflaster gepflastert.

„Ich selbst wusste lange auch nicht, dass es Glambeck überhaupt gibt, dabei bin ich nicht weit von hier aufgewachsen“, so Karin Ber­nickel. Sie ist Mitglied der nahen ­Kirchengemeinde Friedrichswalde (Kirchenkreis Oberes Havelland) und in der Region verwurzelt. Die Glambecker Kirche ist ihr und ihrer Familie inzwischen so ans Herz gewachsen, dass sogar der erste Enkel dort getauft wurde.

Seit fast 20 Jahren engagiert sie sich im Verein Glambecker Denkmale und betrieb die Kirchenklause zehn Jahre ehrenamtlich, bevor sie sie 2010 übernahm. Inzwischen ist diese auch zertifizierter „Radler Point“. Wer hier Stopp macht, gehört praktisch zur Familie. Alleine an einem Tisch lässt Karin Bernickel niemanden sitzen. Für jeden findet sie das richtige Wort und den richtigen Ton. „Ich sehe sofort, mit wem ich ein bisschen dämlich quatschen kann“, sagt die 58-Jähige augenzwinkernd. Manchmal wird auch gesungen – „wie es gerade kommt“.

Ihre Gäste schickt Karin Ber­­nickel immer auch in die benachbarte Radwegekirche – für einen Moment der Andacht oder zum Betrachten der wechselnden Ausstellungen. Viele Jahre war das Fachwerkkirchlein dem Verfall preis­gegeben. 1999 wurde es vom Verein Glambecker Denkmale und der ­Kirchengemeinde restauriert. Seit 2005 ist es Radwegekirche, wird für Ausstellungen, Konzerte und zu Gottesdiensten genutzt.

Der Verein Glambecker Denkmale hat ebenfalls den Taubenturm im Ort zugängig gemacht, dazu gibt es ein kleines Dorfmuseum und einen Rastplatz. Karin Bernickel hält ein ganzes Regal Informationsmaterial für ihre Gäste bereit. Aber nicht nur das, viele Geschichten kann sie selbst erzählen. Etwa, dass die ­Kirchenklause von der freiwilligen Feuerwehr des Ortes erbaut und auch als Leichenhalle des Ortes, ­später als Versammlungsort des Vereins genutzt wurde.
Der Ort Glambeck hat nicht mehr als 34 Einwohner. Die kommen eher selten in ihre Klause, bedauert Karin Bernickel. Touristen und Stammgäste dafür umso häufiger.

Die Kirchenklause ist von Freitag bis Dienstag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Gruppen sollten sich telefonisch
anmelden unter (033367) 54736 (Anrufbeantworter).

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Kommentar von Wolfgang Banse |

Kirchenklauseln, wie die in Glambeck davon sollten es mehr geben.Über Gott und die Welt sprechen, das kann man in der Regel in einer Gaststätte eher, als in einem Gemeindehaus, Kapelle, kirche. Vertraut den neuen wegen wie es in einem Kirchenlied es heißt- dies sollte erfahr, erlebbar werden.