Weiter auf dem Weg zum gerechten Frieden

Frührahrssynode EKBO 2019
Singen gehört auch immer zur Landessynode dazu. Foto: Matthias Kauffmann



Die Synodalen debattierten ein aktuelleres Friedenskonzept und einen klareren Einsatz für Demokratie.

Von Constance Bürger, Yvonne Jennerjahn (epd) und Sibylle Sterzik

Auf ihren zwei Mal jährlich statt­findenden Tagungen setzt die Landessynode der EKBO stetig deutliche Zeichen für Demokratie, Toleranz und ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft. Ein wichtiger Wortgeber dabei ist Bischof Markus Dröge, bekannt dafür, in seinem „Wort des Bischofs“ die gesellschaftliche Lage präzise und kritisch zu beschreiben und gleichzeitig die Synodalen darin zu bestärken, aktuelle Stellungnahmen in die Gemeinden zutragen. Dies war auch am vergangenen Freitag und Samstag wieder der Fall, als die Landessynodalen in der St. Bartholomäuskirche in ­Berlin-Friedrichshain zu ihrer Frühjahrs­tagung zusammenkamen.

Bischof Dröge rief die Synode dazu auf, ihre friedensethischen ­Positionen zu aktualisieren und kritisierte die US-­Politik. Deutschland werde gedrängt, seine Rüstungsausgaben zu erhöhen und die Kriterien für Waffenexporte zu lockern. Er begrüßte den Exportstopp der Bundesregierung von Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien. Ob dieser Stopp weiter besteht, bleibt fraglich.

Mit der Erklärung „Die Landeskirche auf dem Weg zur Kirche des gerechten Friedens“ setzten die Synodalen vor einem Jahr ein dringendes Zeichen gegenüber der Bundesregierung für ein strikteres Waffenexportgesetz. Inwiefern diese Erklärung die Gemeinden erreicht hat, wurde nun hinterfragt. Deshalb beschloss die Synode, die bestehenden ­Aktivitäten der landeskirchlichen Friedens­arbeit besser sichtbar zu machen. Eine „geeignete Publikationsform“ für die Friedenserklärung sowie ein klares Konzept für die EKBO-Friedensarbeit soll entstehen. Ein konkretes Budget dafür wurde jedoch abgelehnt.

Bischof Dröge kritisierte außerdem zunehmende Probleme beim Kirchenasyl. Die Kirchengemeinden seien „ermüdet und frustriert angesichts der geringen Würdigung vorgetragener Härtegründe“ und verunsichert durch den Erlass von Strafbefehlen, sagte er. Weiterhin mahnten die Synodalen eine schnellere Umsetzung der Empfehlungen der Kohlekommission der Bundes­regierung an. Der Gesetzgeber müsse die Empfehlungen, die einen Kohleausstieg bis 2038 vorsehen, „zeitnah in wirksame Gesetze“ überführen.

Auch die Freitagsdemonstrationen der Schülerinnen und Schüler wurden an unterschiedlicher Stelle erwähnt. Ein Synodaler unterstrich, dass er bisher „ein Wort am Puls der Zeit“ vermisst, denn der Klimawandel sei das, was seine Konfirmanden heute bewege. „Es ist wunderbar, dass die jungen Leute sich jetzt mit diesem Thema politisch äußern, weil es das unterstützt, was wir seit langer Zeit versuchen, in das Bewusstsein der Gesellschaft hineinzu­tragen“, sagte Dröge dazu.

Schließlich fanden die Schülerinnen und Schüler ihren Platz in der Erklärung „Haltung zeigen“ – zwar nur im Anhang zum Thema „Bewahrung der Schöpfung“, aber Generalsuperintendentin Heilgard Asmus bezeichnete dies als ein Zeichen, „dass die Synode noch nicht fertig ist“ in ihrem Diskussionsprozess zu den Klimaveränderungen. Ursprünglich war der Themenkomplex gar nicht vorgesehen.

Demokratie in Gefahr
Die Erklärung „Haltung zeigen“ ist ein Wort, „das ein klares christliches Glaubenszeugnis ist und zur ­politischen Stellungnahme ermutigt“, sagte der Berliner Superintendent Thomas Seibt, Vorsitzender des Ausschusses Theologie, Liturgie, Kirchenmusik. Es soll Grundlage für Gemeinden zur Diskussion sein, gerade mit Blick auf die anstehenden Wahlen. Bischof Dröge rief die Gemeinden dazu auf, die Stellungnahme auch im Alltag umzusetzen und vor Ort aktiv deutlich zu machen, für welche Werte Kirche stehe.

Die Demokratie als Grundlage des Gemeinwesens werde derzeit „infrage gestellt und untergraben“, heißt es in der Erklärung. Das dürfte nicht hingenommen werden. Respektlosigkeit, Manipulation und bewusst zerstörerischen Tabubrüchen müsse entschieden entgegengetreten werden. Der Abstand zwischen Arm und Reich sei weiter groß, Wohnen werde vor allem in den Städten nahezu unerschwinglich, immer mehr Menschen seien auf Grund­sicherung angewiesen, so die Stellungnahme. Deshalb sei Engagement für Menschen in Armut nötig.

Weiterer Tagungspunkt war das Landeskirchenweite Intranet (LKI), das als zentrales Kommunikationsmittel unter anderem E-Mailing, ein EKBO-weites Adressverzeichnis und Möglichkeiten für Videokonferenzen und Chatfunktionen bieten möchte. Der Kirchenkreis Prignitz arbeitet mit dem LKI und ist nach Aussagen des IT-Teams „vollauf zufrieden“.
Doch die Synodalen, die sich zu Wort meldeten, standen dem Projekt eher skeptisch gegenüber. Um zu beurteilen, welche Vorteile des LKI für die Praxis bringt, fehlten konkrete Ergebnisse, die man hätte bewerten können. Abstürze größeren Datenmengen kritisierte ­Jugendpfarrerin Sarah Oltmanns, die mit Jugendlichen bereits im LKI ­arbeitet. Die Finanzierung der neuen kirchenweiten Plattform aus dem Vorsteuer­abzug der Kirchensteuermittel zu bestreiten, wurde kritisiert und zur ­Prüfung an die Kirchenleitung ­zurückverwiesen. Ein Synodaler merkte kritisch an, dass es für eine Kirche auf dem Weg des gerechten Friedens keine Sachmittel aber größere Summen für das LKI gebe.

„Die EKBO als Kirche mit Mission“ – unter dieser Überschrift stellten Missionswerkdirektor Roland Herpich, dessen letzter Auftritt auf der Synode mit viel Beifall bedacht wurde, Oberkonsistorialrätin Christina-Maria Bammel und Pfarrerin Michaela Fröhling ein Diskussionspapier vor. Welche Faktoren die Kirche in ihrer Mission fördern oder hemmen, zeigt es. Hohe Potenziale, um die EKBO zum Thema ­„Mission“ voranzubringen, liegen laut einer Umfrage bei Kasualien, ­Chören, Evangelischen Schulen und guter Öffentlichkeitsarbeit. Das komplette Heft ist nachzulesen unter: www.berliner-missionswerk.de.

 

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