Wahl 2019: Bewahrung der Schöpfung

Foto: epd

 


Am 1. September wird in Brandenburg und in Sachsen jeweils ein neuer Landtag gewählt. „die Kirche“ hat Expertinnen und Experten aus Kirche und Diakonie gebeten, die Wahlprogramme der Parteien zu prüfen und darzustellen, welche gesellschaftspolitischen Maß­nahmen generell aus christlicher Perspektive gefördert werden sollten. Los geht es in dieser Woche mit dem Thema Bewahrung der Schöpfung. 

Von Hans-Georg Baaske

„Suchet der Stadt Bestes, und betet für sie zu Gott; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl“ (Jeremia 29,7). So rief Jeremia die Juden in Babylon auf, sich mit Gottes Hilfe für ein Leben hier einzusetzen. Dieses Wort gilt für uns Christ*innen heute auch. Im Missionsbefehl bei Markus fordert uns Jesus auf, die Frohe Botschaft des Lebens aller Kreatur zu verkünden (Markus 16,15).

Eine konkrete Möglichkeit, dies nun zu tun, ist am 1. September: das demokratische Recht wahrzunehmen und unsere Stimme denen zu geben, die sich besonders für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Denn gerade die nächste Legislaturperiode wird darüber entscheiden, ob es gelingt, den Herausforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes zu begegnen und weitere konkrete Handlungsschritte einzuleiten.

Die Bibel erzählt von einem Menschen mit dem Namen Noah. Der hat das getan. Inmitten einer ökolo­gischen Katastrophe zog er sich nicht mit seiner Familie zurück, um allein zu überleben. Sondern er ließ sich von Gott in die Verantwortung nehmen. Seine Möglichkeiten waren begrenzt, aber das, was er tun konnte, das tat er mit äußerster Konsequenz. Durch den Bau der Arche half er mit, den Fortbestand der Welt zu ermöglichen.

Er sicherte nicht nur sich und seiner Familie das Überleben, sondern auch der nichtmenschlichen Schöpfung. Noah rettete durch den Bau der Arche und durch die Aufnahme der Tiere nicht nur seine ­eigene Haut. Er vertraute auf Gott. Das gab ihm die Kraft, seine Idee in die Tat umzusetzen. Er schaute nicht auf andere, schimpfte nicht auf die „Verhältnisse“, sondern tat das, was er konnte und was notwendig war.

So gelang, im Angesicht der Sintflut, das Überleben der Welt. Diese war zwar nach der Katastrophe eine andere als davor, aber nun auch ausgestattet mit der Hoffnung aus der Zusage Gottes: „Solange die Erde ­besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des ­Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem ­lebendigen Getier bei euch auf ewig. Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde“ (1.Mose 8,22 und 9,12-13)

Die ökologische Krise ist erlebbar
Am 1. September sind wir gefragt mit unserer Tat. Ob anhaltende ­Dürreperioden, verheerende Waldbrände, die Verschmutzung der Meere und Ozeane oder das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten – die ökologische Krise ist erlebbar und das Überleben der Welt ist in Gefahr. Mit Blick auf mehr Klima­gerechtigkeit bei uns und in der ganzen Welt muss sich nun aber auch unser Lebensstil des „immer mehr“ und damit auch die Landespolitik deutlich ändern.

Als Christ*innen sind wir daher angehalten, in diesem Jahr nicht nur besonders kritisch zu prüfen, welche Aussagen zum Umwelt- und Klimaschutz von den zur Wahl stehenden Parteien getroffen werden, sondern auch, welche Aussagen nicht getroffen werden, also welche Themen ­unberücksichtigt bleiben, weil sie möglicherweise nicht als wichtig ­erachtet werden. Hilfreich bei der Einordnung ist auch, darauf zu schauen, wie die Parteien sich in der letzten Legislaturperiode zu Themen des Umwelt- und Klimaschutzes verhalten haben.

Erfreulich ist, dass parteiübergreifende Einigkeit zu einzelnen umwelt- und klimaschutzpolitischen Themen besteht. So erachten alle zur Wahl stehenden Parteien etwa den Umbau der monokulturellen Kiefernwälder hin zu ursprüng­lichen Mischwäldern als wichtige Aufgabe für die Zukunft. Zudem wollen sie die Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte stärken, Fahrradwege ausbauen, den ÖPNV und Regionalverkehr vorantreiben und sich für den Schutz heimischer Insekten einsetzen.

Gespräch suchen über Artenvielfalt
In diesem Zusammenhang ist es nicht nur wichtig, darauf zu achten, wie sich die Parteien zum Beispiel zur laufenden Volksinitiative ­„Artenvielfalt retten – Zukunft sichern“ (www.artenvielfalt-branden burg.de) verhalten, sondern auch die zur Wahl stehenden Abgeordneten danach zu befragen, wie sie sich in der neuen Legislaturperiode für ein Gesetz zur Förderung der Artenvielfalt einsetzen wollen.

Es gibt aber in den Wahlprogrammen auch deutliche Unterschiede. Zum Beispiel hinsichtlich der Frage, wie Energie zukünftig ­erzeugt werden soll. Hier wollen manche Parteien an Altem noch möglichst lange festhalten, wenngleich dadurch (zum Beispiel durch den Abbau und die Verstromung von Braunkohle) nachweislich dem ­Klimawandel Vorschub geleistet wird und Natur und Umwelt zerstört werden. Andere Parteien setzen ­dagegen auf klima- und umweltfreundlichere Möglichkeiten der Energiegewinnung (zum Beispiel durch Solaranlagen und Windräder), um besser im Einklang mit der Natur und in der Umwelt leben zu können.

Ich vertraue darauf, dass nach dem 1. September eine Mehrheit für mehr Umwelt- und Klimaschutz ­gefunden werden kann. Dafür braucht es eine Stärkung der poli­tischen Kräfte, die sich konsequent und aufrichtig dafür einsetzen, die Schöpfung zum Wohle aller zu schützen und zu bewahren!

Auf geht’s! Wenn Ihnen daran ­gelegen ist, dass Gottes Schöpfung auch in Zukunft für Menschen, Tiere und Pflanzen lebenswert bleibt, dann wählen Sie in Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung.

 

 

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