Verfolgte Christen in Nigeria

Verfolgte Christen Nigeria
Foto: Mission 21 Basel

 


Die EKD ruft auch im Jahr 2019 alle Kirchengemeinden dazu auf, am zweiten Sonntag der Passionszeit, Reminiszere (17. März) für bedrängte und verfolgte Christen zu beten. Schwerpunkt der Fürbitte ist die Menschenrechtslage in Nigeria.

Von Petra Bosse-Huber

Erneut sind etwa 30000 Menschen im Nordosten Nigerias auf der Flucht. Sie fliehen vor der Terrormiliz Boko Haram und vor den Kämpfen zwischen dem Militär und den ­Islamisten. Die Vereinten Nationen sprechen von einer „humanitären Tragödie“. Auch deshalb, weil die Flüchtlingslager in Nigeria bereits zuvor überfüllt waren und es an Unterkünften, Wasser und Nahrung fehlt. Seit die terroristischen Überfälle vor neun Jahren begannen, wurden Menschen getötet, vertrieben, wurden Häuser und Kirchen zerstört und Dörfer niedergebrannt. Auch bewaffnete Nomaden morden. Im Februar wurden 66 Angehörige des überwiegend christlichen ­Kadara-Volkes in acht Dörfern im Süden des Bundesstaates Kaduna bei einem Massaker getötet. Vergeblich forderten Christen in den letzten Monaten einen besseren Schutz vor der Gewalt von Fulani-Nomaden.

Und immer wieder wurden besonders junge Frauen und Kinder verschleppt und versklavt. Ein Beispiel: Die Entführung der jungen nigerianischen Christin Leah Sharibu durch die radikal-islamische Terrormiliz Boko Haram („westliche Bildung ist Sünde“) jährte sich am 19. Februar zum ersten Mal. Die mittlerweile 15-jährige Schülerin aus Dapchi im Bundesstaat Yobe wurde nach einem Überfall auf die Technische Mädchenschule zusammen mit 109 Mädchen im Alter zwischen 11 und 19 Jahren verschleppt. Einige von ­Leahs Mitschülerinnen wurden getötet. Die Entführer ließen einen Monat darauf 101 Mädchen frei. Leah Sharibu, die einzige Christin unter den Schülerinnen, wird seitdem als Sklavin gefangen gehalten.

An all diese Menschen, an ihre Not und an ihre Hoffnung, wollen wir am Sonntag Reminiszere („Gedenke!“) erinnern. Der zweite Sonntag in der Passionszeit, in diesem Jahr der 17. März, soll der gemeinsamen Fürbitte in unseren Kirchen für bedrängte und verfolgte Christen weltweit gewidmet sein. Und in diesem Jahr beten wir besonders für die christlichen Geschwister in Nigeria.

Das mit 186 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land Afrikas, ein demokratischer, föderaler Staat, dessen Verfassung das Recht auf Religionsfreiheit garantiert, wird immer wieder von terroristischen Anschlägen und Überfällen erschüttert. Die Miliz will im Norden Nigerias einen islamischen Staat errichten und setzt gezielt Entführungen als Kriegswaffe ein. Auch wenn dies aus unseren Nachrichten weitgehend verschwunden ist, befinden sich noch immer vor allem Frauen in der Gewalt der Terroristen. Ebenso setzen sich die Anschläge fort. Die Zahlen sprechen ihre eigene, kalte Sprache: 27000 Tote und 1,8 Millionen Flüchtlinge haben die Gewalttaten hervorgebracht. Auch nach der Wiederwahl des Präsidenten Muhammadu Buhari Ende Februar bleibt die Zukunft des Landes ungewiss.

Dabei ist Nigeria ein sehr religiöses, aber geteiltes Land: Die eine Hälfte der Gesamtbevölkerung ist christlich, die andere muslimisch. Der Norden, eher arm, wird zumeist von Muslimen bewohnt – hier gilt auch in zwölf von den insgesamt

36 Bundesstaaten islamisches Recht, die Scharia. Im durch Erdölvorkommen eher reichen Süden leben hauptsächlich Christen und Christinnen unterschiedlicher Konfessionen. Und in der Mitte des Landes, im sogenannten Middle Belt, führen massive Verteilungskämpfe, zum Beispiel um Land- und Viehbesitz, die dazu noch einen ethnisch-­religiösen Hintergrund haben, zu ­andauernden Unruhen und gewalt­samen Konflikten.

Umso überzeugender und berührender sind vor diesem Hintergrund die Aussagen von Menschen, die der Gewalt nicht das letzte Wort lassen wollen. Zu lesen sind sie im Nigeria-Materialheft der EKD. Frauen und Männer, die immer noch – auch angesichts massivster Verletzungen und Verfolgung – nicht von der Hoffnung ablassen, dass Frieden erlernbar ist und Versöhnung zwischen Menschen und Religionen ein erreichbares Ziel. Wir bitten darum, dass Christen und Christinnen in ­Nigeria den Trost und die Stärke finden, für eine gute Zukunft zu arbeiten, gemeinsam mit allen, die dort leben und zu Hause sind. Wir bitten darum, dass ihre Rufe und Gebete nach Heilung und Frieden bei Gott Gehör finden. Und wir danken für ihr Bekenntnis zum Gott des Lebens und für ihren Glaubensmut, der, über alle Grenzen und 

Bischöfin Petra Bosse-Huber leitet die Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland.

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