Tische raus!

Foto: epd

 

An diesem Samstag gibt es eine Premiere: Zum ersten Mal findet „#dafür – Tag der offenen Gesellschaft“ statt. Die Initiative Offene Gesellschaft und Diakonie Deutschland rufen mit dieser Aktion dazu auf, sich zusammen­zu­setzen – mit Nachbarn und Freunden, Familie und Fremden. Gastfreundschaft und Vielfalt stehen im Mittelpunkt dieser Tisch­gemein­schaft­en, die sich überall bilden können: auf Bürgersteigen, Markt­plätzen oder vor Kirchen. Dann wird fair und engagiert diskutiert. Setzen Sie sich dazu, oder eröffnen Sie die Tafel!

Von Ulrich Lilie

Die offene Gesellschaft ist das Zuhause unserer Kirche. Dass wir in einer freien Gesellschaft Kirche sein dürfen, ist ein historisches Glück. Deswegen haben auch Christinnen und Christen an diesem Samstag, am 17. Juni, einen Grund zum Feiern. Die Initiative Offene Gesellschaft und Diakonie Deutschland rufen zum ersten „#dafür – Tag der offenen Gesellschaft“ auf.

Die Idee: Ab 17 Uhr stellen wir unsere Tische und (Garten-)Stühle auf die Bürgersteige, auf Marktplätze oder Dorfwiesen, in die Klein­gärten oder auf die Kirchvorplätze und setzen uns im ganzen Land zu Tisch mit Freunden und Familie, Nachbarn und Fremden. Wir widmen unsere Tischgemeinschaft – privat oder öffentlich – der offenen Gesellschaft. Jede und jeder bringt etwas zu essen und zu trinken mit. Nach dem Fastenbrechen kommen auch die muslimischen Freundinnen und Nachbarn noch dazu. In Berlin gibt es bislang 56 Tafeln. Ob es noch mehr werden? Das liegt auch an Ihnen! Mehr unter: www.die-offene-gesellschaft.de.

Doch was hat das mit Diakonie und Kirche zu tun? Die Tisch­gemeinschaft, in der christlichen Theo­logie ein zentrales Symbol für Versöhnung und Zusammenhalt, stellt auch kulturübergreifend so etwas wie einen Konsens menschlichen Miteinanders dar. Sie steht für Gastfreundschaft und Offenheit. Und: Wir alle müssen essen und trinken, wir alle sollen satt werden können. Von der Tischgemeinschaft aus lässt sich eine Gesellschaftsordnung entwerfen: Alle sollen satt werden.

Im Februar vergangenen Jahres habe ich das erste Mal über die Ini­tiative Offene Gesellschaft gebloggt. Bereits seit Herbst 2015 tourt sie als zivilge­sellschaftliches Demokratieprojekt durch Deutschland. Wir wollen in Zeiten, in denen anti­demokratische und menschenfeindliche Stimmen lauter werden, der großen schweigenden Mehrheit der Demokraten ein Forum geben. In diesem Forum sollten wir Christen vorkommen: mit unseren Fragen, unserem Welt- und Menschenbild, mit Nächstenliebe, Neugier und Heiterkeit.

Die offene Gesellschaft stößt Debatten an, steht für Streitkultur und schafft neue Begegnungen und Verbindungen. Tausende Menschen von Schwedt bis Saarbrücken, von Stralsund bis Freiburg im Breisgau sind inzwischen den Einladungen zu ihren Debatten gefolgt. Und immer geht es unter der Fragestellung „Welches Land wollen wir sein?“ nicht um rasche Ergebnisse, sondern um Austausch, der nicht ab­gebrochen wird oder in Aggressivität erstarrt, wenn es kontrovers wird. Wir müssen heraus­finden aus der Konsensdemokratie und mehr Streit wagen, die offene Gesellschaft weist einen Weg. Das ist gelebte Demokratie. So oft es geht, nehme ich an solchen Diskussionsrunden teil.

Es ist mir wichtig, dass wir Christen uns als Mitgestalter und Mitdenkerinnen der offenen (und sozial fairen) Gesellschaft begreifen. Ich wünsche mir auch in den Kirchen mehr engagierte Einsatzfreude für unser freies, vielfältiges Land. Sind Sie dabei?

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Kommentar von Wolfgang Banse |

Sind wirklich alle gleich in der Kirche? Gibt es nicht auch hier wie an anderen Stellen auch Geladene und Ungeladene?Im Bezug was Empfänge,hier Reformationsempfang, Johannis Empfang der EKD um nur diese beiden gesellschaftlichen Ereignisse zu nennen.Kauft man dies eigentlich mit der Taufe ein,was eine Klassengesellschaft. bestehend aus 1,2,3 Christinnen und Christen betrifft?Wie steht es mit den Kasualien?Ist eine Generalsuperindententin, ein Bischof, ein Propst für jede und jedermann präsent,wenn eine Anfrage was Taufe, Hochzeit, Beerdigung betrifft?
Der offene Tag der Gesellschaft,der am 17 Juni 2017 mit langen gedeckten Tafeln begangen wird,bundesweit-von diesem tag sollte ein Signal im weltlichen wie auch im kirchlichen ausgehen,was Stigmatisierung, Klassengesellschaft, Schichten betrifft. Ein klares Nein gegen Ausgrenzung.Nicht alles kann n sich auf Jesu Geist berufen,was in der Kirche,die sich auf Jesus Christus beruft,gelebt erlebt, erfahrbar wird.