Musik bringt Menschen zusammen

Die Bläserfahrt spielt auf – und die Kleinen gucken neugierig zu. Foto: Bettina Bertram




Seit zehn Jahren unterstützt der Förderverein für Posaunenarbeit die Bläsermusik im Sprengel Görlitz. Mit dem Projekt „Blech: Werk:STADT“ in der Kita und in einer stillgelegten Hefefabrik sowie bei einer christlichen Landpartie engagiert er sich nun auch für das soziokulturelle Leben.

Von Bettina Bertram

Fröhliches Logo, fescher Schriftzug: „Blech:Werk:STADT“. „Wir gründen einen Jugendposaunenchor!“ steht auf einer Einladung an acht- bis 18-Jährige in Görlitz. „Blech:Werk: KIDS“ steht auf der anderen für Fünf- bis Siebenjährige, die Tuten und Blasen an Schläuchen und Tuba probieren wollen. Oder „Blech: spiel(t):ZEUG“, das niedrigschwellige Angebot für Kinder von acht bis 14, die Traute zum Ausprobieren und Neugier auf Konzert, Hörspiel oder Band mitbringen. „Wir singen auch sehr viel“, sagt die gelernte Geigenbauerin Maria-Ruth Schäfer, die die „Blech:Werk:STADT“ gegründet hat. Die 32-jährige Kulturmanagerin möchte Menschen in Görlitz über die Musik zusammenbringen.

Die „Blech:Werk:STADT“ und viele weitere Aktivitäten unterstützt der Verein zur Förderung der Posaunenarbeit im Sprengel Görlitz. Er feiert in diesem Jahr bereits zehnjähriges Bestehen. Vorsitzende ist die Görlitzer Ärztin Renate Pissang. Für das Projekt „Blech:Werk: STADT“, das sich außerhalb kirch­licher Räume unter anderem auf dem neu belebten kreativen Gelände einer stillgelegten Hefefabrik in Görlitz, der „Rabryka“, abspielt, hat sich der Posaunenförderverein mit dem soziokulturellen Verein Second Attempt und der Musikschule time2groove zu einem Fördernetzwerk zusammengeschlossen.

„Wir machen das, wir gehen neue Wege“, hat Renate Pissang mit dem Verein beschlossen. Und der wächst: Aus den anfangs 21 Gründungsmitgliedern sind heute 64 Mitglieder geworden, darunter acht Personen des öffentlichen Rechts wie der Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz, der das Gebiet der früheren Görlitzer Kirche umfasst.

Der Förderverein verleiht Instrumente oder bereitet sie auf. „60 Trompeten, Flügelhörner, Posaunen und mehr sind zurzeit in den Chören verliehen, 100 könnten es sein, wenn hier alle repariert sind“, sagt Gotthard Pissang, ebenfalls Bläser, der einen Teil der Instrumente aufbewahrt. Kreiskirchliche Kollekten helfen, wenn der Verein Bläserlehrgänge und -freizeiten für Anfänger und Fortgeschrittene organisatorisch und finanziell fördert – wie im Juli im Begegnungszentrum in Laubusch für 50 Musiker zwischen zehn und 70 Jahren.

Der Förderverein würdigt Chor- und Personenjubiläen und gibt Beihilfen für Geringverdiener. Er un­terstützt posaunenmissionarische Landpartien – wie die Bläserfahrt in der vergangenen Woche.

13 Musiker mit Tuba, Posaune und Trompete, denen die Lust am gemeinsamen Spiel aus jedem Knopfloch lugt, waren mit Maria-Ruth Schäfer im Kirchenkreis unterwegs, übernachteten von Montag bis Sonntag jeweils in einer anderen Gemeinde, in Kunnerwitz, Niesky, Tetta, Kreba oder Förstgen zum Beispiel. Vormittags brachten sie das „Ännchen von Tharau“ und Segenswünsche zu Geburtstagskindern oder Trost und Hoffnung zu alten und kranken Menschen vor Ort. Nachmittags chillten oder badeten sie und abends gestalteten sie in der jeweiligen Gastgemeinde eine Posaunenchorfeierstunde unter dem Kirchentagsmotto 2019 „Was für ein Vertrauen“.

Auf dem Spielplatz des Kindergartens Samenkorn der Diakonissenanstalt Emmaus in Niesky war am Mittwoch die Freude jedenfalls groß, als „die Bläserfahrt“ für die Jüngsten aufspielte. Mädchen und Jungen aus Krippe und Kindergarten wimmelten mit roten Plastikmundstücken umher, probierten glänzende Blechblasinstrumente, darunter die für Fünfjährige lebensgroße Tuba. „Wer das von zu Hause oder aus der Gemeinde noch nicht kennt, kommt hier das erste Mal mit richtigen Musikinstrumenten in Kontakt und vergisst nicht mehr, wie viel Spaß gemeinsames Musizieren macht“, sagt die Nieskyer Kitaleiterin Cornelia Ernst.

 

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