„Mein Instrument ist die Sprache“

Angelika Obert.
Angelika Obert, die Frau am Mikrofon: „Es kommt bei dem, was du sagst, darauf an, bei dir selbst zu bleiben.“ Foto: Wolff von Rechenberg

 

 

Die Fragen stellte Sibylle Sterzik

Frau Obert, von welchem Beruf haben Sie als junge Frau geträumt, lange bevor Sie beim Rundfunkdienst anfingen?

Als ich Ende Zwanzig war, wollte ich am liebsten Schauspielerin an der Schaubühne werden. Kontakte hatte ich schon geknüpft, auch eine Ausbildung an einer Schauspielschule gemacht. Davor hatte ich Germanistik und Theologie studiert und Staatsexamen gemacht. Danach wurde mir ein Doktorandenstipendium angeboten. Aber ich dachte, als Frau Doktor müsste ich dunkelblaue Kostüme tragen und wäre dann so eingesperrt in das kirchliche Milieu. Ich bin dann richtig ausgebrochen mit der Idee: Ich werde Schauspielerin.  

Und wie sind Sie zum Theologiestudium gekommen?

Als ich nach Berlin kam, studierte ich erst Germanistik und Romanistik. Durch den Kontakt mit der Studentengemeinde an der Freien Universität und die Begegnung mit Helmut Gollwitzer nahm die Theologie immer mehr Raum ein und wurde mein Hauptfach.

Wollten Sie ins Pfarramt gehen?

Nein, nein. Damals wurde man  so Studienrätin. Aber das wollte ich auch nicht gerne. Deswegen stand ich lange mit der Frage da: Was willst Du denn eigentlich? Andererseits hat man mir schon nach dem Abitur zugerufen: Du wirst bestimmt mal Pfarrerin.

Waren Sie so fromm?

Auf eine Art war ich auch fromm, ja. Und wenn Reden gehalten werden sollten, dann habe ich das gemacht. Aber ich habe immer widersprochen und gesagt: Ich will auf keinen Fall Pfarrerin werden! Allerdings merkte ich schon während der Schauspielzeit an der Landesbühne Hannover, dass dort im Letzten etwas fehlte. Ich war zu schüchtern, ich glaubte auch nicht richtig an mich auf der Bühne. Und als dann Propst Lütcke anrief – ich war  schon Anfang Dreißig – und fragte: Sie stehen immer noch auf unserer Theologenliste, sollen wir Sie jetzt streichen? Da fiel alles von mir ab und ich dachte: Das ist der Weg. (...)

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