Kontaktlose Kollekte

Kirche Botswana
Summe einstellen, prüfen und Karte auflegen: So einfach kann mit dem digitalen Klingelbeutel bargeldlos die Kollekte eingesammelt werden. Foto: Thorsten Wittke

 
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Mit einem „Digitalen Klingelbeutel“ soll man in der EKBO künftig bargeldlos spenden können.
Bischof Markus Dröge rühmte das neu entwickelte Gerät als „weltweit einzigartig“


Von Uli Schulte Döinghaus

Ende dieses Jahres wird in den evangelischen Kirchengemeinden der EKBO zugunsten von „Brot für die Welt“ und „Für die Arbeit in evangelischen Kindertagesstätten“ gesammelt werden. Der Klingelbeutel, der dazu herumgereicht wird, könnte ein klein wenig anders als gewohnt aussehen, jedenfalls in ausgewählten Kirchengemeinden in Berlin-Mitte. Dort soll testweise ein „Digitaler Klingelbeutel“ durch die Bankreihen gereicht werden. Nach diesen Tests soll ausgewertet und entschieden werden, ob und unter welchen Bedingungen die Kirchengemeinden in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz die „Digitalen Klingelbeutel“ nutzen.

Verantwortliche der Kirchenleitung der EKBO, unter anderem Bischof Markus Dröge und Konsistorialpräsident Jörg Antoine, präsentierten den ersten „Digitalen Klingelbeutel“ vergangene Woche in der Berliner Parochialkirche. Stolz bezeichneten sie die Erfindung als „weltweit einzigartig“.

Das ist diese Entwicklung ­tatsächlich. Andere Verfahren, etwa in Großbritannien oder Skandinavien, erfordern noch die Eingabe von PIN-Nummern, Barcodes oder sogar Unterschriften während der Kollektensammlung. Das ist eher umständlich. Für die EKBO-Variante reicht der einfache Funkkontakt zwischen EC-Karte und der Elektronik des Klingelbeutels. Die Handhabung scheint überraschend einfach, weitaus weniger kompliziert als eine Fernbedienung fürs Fernsehgerät.

Ideengeber und technischer Umsetzer war Fabian Kraetschmer, Leiter des IT-Referats des Berliner Konsistoriums, der auch einen Prototyp zum Vorzeigen und Ausprobieren entwickeln ließ. Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung war die Evangelische Bank, die erst vor wenigen Monaten die Bargeldeinzahlungen in einer ihrer Berliner Filialen stark eingeschränkt hatte und deshalb bei Kirchengemeinden in die Kritik ­geraten war.

Hinter der Innovation steckt ein Kollektenbeutel, in den Gottesdienstbesucherinnen und -besucher wie gewohnt Geldscheine oder Münze einlegen können. Wahlweise können sie aber auch lautlos mithilfe ihrer EC-Karte im Griff des Klingelbeutels eine Summe zwischen 1 Euro und 25 Euro bargeldlos überweisen. Voraussetzung ist, dass die EC-Karte für „kontaktloses Zahlen“ eingerichtet ist. Zu erkennen ist das an zusätzlichen Aufdrucken wie „Girogo“, „kontaktlos“ oder einem Funksymbol. Mit dem kann man schon heute an vielen Supermarktkassen schnell, ohne Unterschrift und PIN-Nummern bargeldlos bis zu 25 Euro ­bezahlen.

Weitere Voraussetzung: Der Kircheninnenraum ist an das Mobilfunknetz angeschlossen, das nahezu flächendeckend in Berlin und Brandenburg verbreitet ist, oder an ein schnelles WLAN-Netzwerk, zum Beispiel den „Godspot“. Dieser ist allerdings erst in rund 250 Kirchen, die meisten davon in Berlin, verfügbar.

Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, können Gläubige die Höhe ihrer Kollektengabe individuell mithilfe eines Rädchens einstellen, die Summe hinter einer kleinen Sichtscheibe überprüfen und das Ganze abschließend bestätigen – ab geht die Kollekte.

Kirchliche Finanzexpertinnen hatten sich lange bemüht, die Kollektengabe als Spende von der Steuer absetzen zu können. Bisher war kein einfacher Weg gefunden worden. Das ändert sich mit der Digitalgabe. Diese ist von der Steuer absetzbar, weil die Spende per EC-Karte als Bareinzahlungsbeleg auf dem Kontoauszug landet. Dieser wiederum wird vom Finanzamt steuerverkürzend akzeptiert.

Auch für alle Gemeindebeauftragten, die mit dem Sammeln, Aufbewahren, Sortieren, Befördern und Verteilen von Bargeld zu tun haben, könnte der Dienst einfacher werden. Bislang wurde der Umschlag von Bargeld immer schwieriger und immer ­teurer. Manche Bankfilialen nehmen gar keine Münzen mehr an oder ­erheben saftige Bearbeitungsgebühren von bis zu 25 Euro pro Münz­einzahlung.

Auch um diesem Trend zu umgehen, will die Leitung der EKBO den „Digitalen Klingelbeutel“ weiterentwickeln und mittelfristig in den ­Gemeinden der Landeskirche ein­setzen. Im Herbst werden sich die Synodalen der EKBO mit dem Thema beschäftigen.

Der „Digitale Klingelbeutel“ könnte ein erster Schritt hin zu einer doppelten Expansion sein. Einerseits melden schon jetzt Kirchengemeinden außerhalb der EKBO ihr Interesse an dem Gerät an, hieß es am Rande der Pressekonferenz. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) begleite das Projekt mit Wohlwollen, so Bischof Markus Dröge. Andererseits könnte die Technologie demnächst dafür genutzt werden, Einzahlungsautomaten im Ausgangsbereich von offenen Kirchen einzurichten, um bargeldlose Spenden zu ermöglichen.

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