Klimafasten: Was unterwegs sein?



Von Friederike Höhn

Vergib mir Herr, denn ich habe gesündigt. Wäre dies eine katholische Kolumne, wäre dieses Sünden­bekenntnis in meinem Fall absolut angebracht. Ich sündige und zwar immer wieder und im vollen Bewusstsein meiner Schuld. Ich
bekenne: Ich bin eine Klimasünderin. Einmal im Monat steige ich in ein Flugzeug, um ein Wochenende in Konstanz bei meinem Freund zu verbringen. Mit der Bahn scheint das quasi unmöglich, eine einfache Fahrt ohne Verspätungen und Zugausfälle dauert gute neun Stunden. Der Flug nach Zürich und die Fahrt mit der Bahn von Tür zu Tür nur fünf Stunden. Jedes Wochenende schlägt mit 364 Kilogramm CO² zu Buche. Im Jahr sind das etwa 4,3 Tonnen. Zum Vergleich: Eine Buche, die 80 Jahre lang wächst, nimmt in diesem Zeitraum etwa eine Tonne Kohlenstoffdioxid auf.

Woher ich so genau weiß, wie viel CO² ich verursache? Weil ich Abbitte leiste und mich von meinem schlechten Gewissen freikaufe: mit der App Klimakollekte. Sie ist ein kirchlicher CO²-Kompensationsfonds, die einerseits informiert über die Emissionen von verschiedenen Reisemitteln und andererseits Ausgleichszahlungen für Klimasünden ermöglicht.

Ist das nicht moderner Ablasshandel? Anders als bei Tetzel und Co. wird das Geld, das mit der App eingenommen wird, nicht zum Bau von Luxusimmobilien in zentraler Stadtlage verwendet. Sondern es fließt in die christliche Entwicklungshilfe und unterstützt Projekte von Brot für Welt, Misereor und anderer Organisationen der Kirchen.

Aber ich mache mir trotz Freikauf nichts vor: Eine ideale Lösung ist das nicht, auch wenn es mein Gewissen etwas beruhigt. Daher habe ich am Wochenende meine erste Zugreise von Berlin nach Konstanz gebucht, auch wenn ich dafür einen Tag Urlaub nehmen muss. Doch das sind mir mein gutes Gewissen und der Klimaschutz wert.

Wie sind Sie diese Woche unterwegs? Schreiben Sie mir über Ihre
Erfahrungen beim Klimafasten:
Redaktion „die Kirche“,
Georgenkirchstraße 69/70,
10249 Berlin,
E-Mail: hoehn@wichern.de

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