Kirche als Produkt

Thorsten Wittke
2016 beim Firmenlauf in Berlin: Der passionierte Läufer Thorsten Wittke hatte die erste „gemeinsamEKBO“-Laufgruppe beim Staffellauf angemeldet. ­Dieses Jahr waren wieder etwa 30 Läufer aus der Landeskirche dabei. Foto: Dietmar Silber

 


Mitte Juli wird Thorsten Wittke als Öffentlichkeitsbeauftragter der Landeskirche Adieu sagen. Aber er bliebt den kirchlichen Einrichtungen erhalten: Zum August wechselt er als Leiter für das Referat Kommunikation an das Evangelische Johannesstift in Berlin-Spandau, das sich derzeit in der Endphase des Fusionsprozesses mit der Paul-Gerhardt Diakonie befindet. Constance Bürger sprach mit ihm über Kommunikationswege nach innen und außen, persönliche Highlights und Grenzerfahrungen. 

Herr Wittke, fast drei Jahre waren Sie Öffentlichkeitsbeauftragter der Landeskirche. Was hat sich seitdem geändert?

Die Zusammenarbeit mit den Kirchenkreisen ist enger geworden. Wir haben uns stärker vernetzt. Im letzten Jahr hatten wir das erste Gesamttreffen aller Öffentlichkeitsbeauftragten. Das wird es ab jetzt einmal jährlich geben. Die Arbeit zum Kirchentag mit der Marke „gemeinsamEKBO“ hat diese Kooperation verstärkt. „gemeinsam­EKBO“ wird mehr und mehr wahrgenommen und gelebt.

Wozu „gemeinsamEKBO“? 

Wir sollten die Chance einer großen Gemeinschaft stärker nutzen. Wir sind immer noch mehr als genug. Das hat der Kirchentag gezeigt. Aktiv Kontakte suchen und pflegen. Zum Beispiel beim Sommerfest die Nachbargemeinde einladen, oder im Konsistorium anfragen, ob ein Kirchenleitender das Fest begleitet. Dadurch entsteht der Effekt: Wir sind gemeinsam EKBO.

Die Landeskirche nutzt verstärkt Facebook, Twitter und Instagram. Bischof Markus Dröge hat seit kurzem seinen eigenen Facebook-­Auftritt. Muss Kirche bei den ­sozialen Medien dabei sein?

Weltgeschehen wird heute über die sozialen Medien transportiert. Wenn wir da als Landeskirche nicht auftauchen, kommen wir nicht mehr vor. Die sozialen Medien sind aus der Öffentlichkeitsarbeit nicht mehr wegzudenken. Der Spaziergang für Weltoffenheit und Toleranz im Mai 2016 hätte ohne Facebook nicht funktioniert, genauso die Danke-Feiern für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit in Potsdam, Berlin und Hoyerswerda in diesem Jahr. Über Facebook haben wir die Menschen erreicht. Und wir zeigen, wo die Landeskirche überall aktiv ist.

Welche Strategien wurden für die sozialen Medien entwickelt?

Wir haben das „Team-EKBO“ unter meiner Federführung ins Leben gerufen. Unterschiedliche Mitarbeitende aus dem Evangelischen Zentrum betreuen den Facebook-Auftritt der Landeskirche. Wir nutzen auch Instagram stärker. Die Menschen favorisieren unterschiedliche Medienkanäle.

Flyer und Plakate braucht keiner mehr?

Es sollte kein entweder oder geben, sondern ein sowohl als auch. Ich schau mir das Thema und die Zielgruppe an und danach priorisiere ich die Mittel. Wir brauchen verschiedene Werkzeuge: Flyer, Postkarten, Videoclips und anderes.

Auf der Frühjahrssynode wurde der Strukturbericht zur Zukunft der Landeskirche diskutiert. Es wurde angeregt, einen synodalen Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit einzurichten. Braucht Ihr Bereich mehr Aufmerksamkeit?

Das Bewusstsein für die Öffentlichkeitsarbeit kann deutlich ausgebaut werden. Die Problematik liegt darin, dass Öffentlichkeitsarbeit scheinbar nichts erzeugt: Sie schafft keine Schlafplätze für Obdachlose, sammelt keine Kleiderspende für Flüchtlinge. Ich sage: Das ist falsch! Öffentlichkeitsarbeit ist ein Mittel zur Bewusstseinsbildung, wirkt auf Denkmuster, die zu Verhaltensänderungen führen.

Im kirchlichen Raum will zu­allererst die kirchliche Arbeit selbst verbessert werden, dann erst sagen wir es weiter. Aber das, was schon da ist, ist als Produkt – schon allein es so zu bezeichnen, ist für manche ein Unding – großartig, nachhaltig, wertvoll, serviceorientiert, existenziell. Wir können die kirchliche Arbeit mit bester Laune verkaufen und bewerben. Da gibt es für mich noch viel zu viel Zurückhaltung.

Und wie kann das Produkt besser beworben werden? 

Öffentlichkeitsarbeit muss schneller sein dürfen als andere Prozesse in der Kirche. Sie muss ­pointierter sein. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden. Es braucht kurze Dienstwegen, um die Menschen zeitnah zu erreichen und mitzunehmen.

Die Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Bestandteil im Evangelischen Medienhaus der Landeskirche. Wie profitiert Ihre Arbeit?

Ich kann mir Öffentlichkeits­arbeit ohne das Evangelische Medienhaus nicht vorstellen. Ich wüss­te nicht, wie es anders funktionieren sollte. Stichwort: Vernetzung. Ein Beispiel: In diesem Jahr hatte der Privatrundfunkkollege Jörg Trotzki die Idee, Propst Christian Stäblein für die Auslegung des Wochenspurchs für „Radio Paradiso“ zu gewinnen. Jetzt gibt es die Audio-Dateien regelmäßig auch auf der Homepage der EKBO plus Hinweise bei Facebook, auch „die Kirche“ ist informiert. Die Zusammenarbeit im Medienhaus gibt uns die Möglichkeit, alle Medienkanäle angemessen zu bespielen und Kontakte nachhaltig zu pflegen.

Was wir Ihr persönlicher Höhepunkt?

Spontan kommt mir die Danke-Feier für die ehrenamtlichen Flüchtlingshefler in der Berliner Flüchtlingskirche im Februar in den Sinn. Wir waren uns anfangs nicht sicher, wie viele Menschen – Ehrenamtliche und Flüchtlinge – kommen würden. Der Gemeindesaal der Kirche war schließlich voll, etwa 120 Menschen waren da. Am Ende haben alle getanzt. Ich stand da, war froh, dass wir dieses Fest veranstaltet haben und glücklich zu sehen, wie gut es allen geht.

Und in welcher Situation sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

Da könnte ich auch mit den Danke-Feiern anfangen. Wir hatten wenig Vorbereitungszeit, es war ein total neues Format. Es gab viele Unklarheiten: Kommen genug Menschen, sind sie zufrieden mit dem, was wir anbieten? Im Rückblick waren sich alle einig, dass es toll war, dass wir es gemacht haben.

Sie wechseln in die Kommunikations-Abteilung eines diakonischen Trägers. Wie wird sich Ihr Arbeitsumfeld ändern?

In der Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche ist meine Zielgruppe größer, aber diffuser. In der Diakonie ist sie klarer umrissen und dadurch kleiner.

Was trägt Sie in Ihrer Arbeit?

Ich bemühe mich, mit Menschen Spaß zu haben. Nur wenn man gemeinsam Spaß hat, kann man langfristig erfolgreich sein.

 

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Kommentar von Wolfgang Banse |

Nicht alles was sich als "Produkt" Kirche nennt, beinhaltet auch Kirche.Die Kirche ist zu einem Tendenzbetrieb geworden.Nicht nur die Parteien, Gewerkschaften,sondern auch die Kirchen verlieren Glieder. Zurecht. Der Staat verwaltet seine Mitbürger,die Kirche verwaltet ihre Glieder. Pfarrerinnen und Pfarrer versehen einen Dienst n ach Vorschrift(Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel)Glieder leiden nicht selten unter den Hauptamtlichen
.Nicht nur außerhalb der Kirche gibt es Mobbing,sondern auch innerhalb der Kirche.Zurück gesetzte Gläubige wenden sich an leitende Geistliche,wie z. B. Generalvikar des Erzbistums
Berlin.Dieser verweist an andere Hauptamtliche die im Erzbischöflichen Ordinariat tätig sind.In der Evangelischen Kirche sieht es nicht viel anders aus.Eine Krähe hackt der an deren Krähe bekanntlich kein Auge aus.Glieder fühlen sich nicht wohl,gut aufgehoben,ziehen sich zurück,gehen auf Distanz,bleiben als Karteileichen Mitglied,wegen den Kasualien, Endstation:Kirchenaustritt.Großgeschrei was die Inklusion betrifft.Wo ist diese erleb,erfahrbar. Als Arbeitgeber Kirche ist dieser keine Vorbildsfunktion was die Anstellung von gehan dicapten Arbeitnehmern betrifft.Wozu ein Bischof, Propst, Generalsuperintendentin, Generalsuperintendent, Superintenden
tin, Superintendent.,Präse3s?Jesu Geist, Heiliger Geist steht so hat man den Eindruck nicht mehr was in der Kirche geschieht im Vordergrund. Quo vadis Kirche,wo hin gehst du-wohin führt dein Weg dich im 21. Jahrhundert?