Gut gerüstet für die Zukunft

Violett fürs Konsistorium, blau fürs Missionswerk. René Helbig behält den Überblick über beide Sammlungen, die in der Landeskirchlichen Bibliothek vereint sind. Foto: Friederike Höhn

 

 

Zum Tag der Bibliotheken am 24. Oktober: Ein Besuch in der Landeskirchlichen Bibliothek der EKBO.  Sie vereint seit Sommer die Bibliotheken des Berliner Missionswerks und des Konsistoriums.

Von Friederike Höhn

Das Gebäude des Berliner Missionswerks in Berlin-Friedrichshain hat in seiner fast 150-jährigen Geschichte so manche Veränderungen erlebt. Menschen kamen und gingen, Aufgabenfelder haben sich gewandelt. Doch eines ist bis heute geblieben: die Missionsbibliothek. Aber seit dem Einzug des Konsistoriums in das Gebäude nebenan im Jahr 2000 ist sie nicht mehr alleine: „Die violetten Schilder gehören der Zentralbibliothek der EKBO, die blauen zum Missionswerk“, erklärt René Helbig die Beschriftung an den Regalen. Er ist seit 2015 Leiter der Missionsbibliothek und wurde 2016 auch mit der Leitung der Bibliothek des Konsistoriums, der Zentralbibliothek der EKBO, betraut. Letztere zog im Jahr 2000 mit dem Konsistorium hier ein.

Zwei Bibliotheken unter einem gemeinsamen Dach
Doch leider wurde lange nichts unternommen, um beide Bibliotheken wirklich zusammenzuführen, bedauert Helbig. Die Doppelstrukturen blieben trotz der personellen Vereinheitlichung erhalten. Erst in diesem Sommer wurde ein Vertrag geschlossen, der die Zukunft beider Einrichtungen klärt: Konsistorium und Berliner Missionswerk vereinen ihre Bibliotheken unter dem gemeinsamen Dach der „Landeskirchlichen Bibliothek“. Dieses Dach versteht sich laut Vertrag als Kompetenzzentrum der EKBO für Bibliothekswesen und Medienversorgung – Erweiterung nicht ausgeschlossen.

Es sind hauptsächlich Pfarrer*­innen und Vikar*innen, die die Bücher nutzen, Studierende der Berliner Hochschulen und Schüler*- innen, die für Arbeiten oder Projekte recherchieren. Aber auch Lektor*­innen und Prädikant*innen nutzen das Angebot, Standardwerke und Predigthilfen ausleihen zu können. Die Praktische Theologie ist neben der Missionsgeschichte klarer Schwerpunkt der Sammlung. „Manch­mal kommen auch Gottesdienstbesucher“, erzählt Helbig, „die das gehörte nochmal nachlesen wollen. Und als 2017 die revidierte Lutherbibel erschien, saß eine Frau hier, die beide Fassungen miteinander verglichen hat.“

Von den sechs Arbeitsplätzen sind jedoch meist nur ein oder zwei besetzt. Über mehr Zulauf würde René Helbig sich freuen. „Die Bibliothek ist nicht nur für das Konsistorium oder das Missionswerk da, sondern ein Angebot für die ganze Landeskirche.“ Dabei setzt er vor allem auf elektronische Medien wie E-Books und digitale Zeitschriftenabos. „Sogar die Vikare wussten lange nicht, dass sie hier eine Bibliothek für ihre Bedürfnisse finden.“ Gemeinsam mit der Ausbildungsabteilung im Konsistorium hat er eine Auswahl von elektronischen Angeboten speziell für die Ausbildungszeit zusammengestellt. „Das ist super angekommen, gerade bei denen, die nicht in Berlin wohnten.“

Das Online-Angebot wird daher stetig erweitert und jeder neue Nutzer, jede neue Nutzerin automatisch für die E-Book-Nutzung angemeldet. Dabei soll auch das Landeskirchenweite Intranet (LKI) helfen, in dem auch Angebote der Landeskirchlichen Bibliothek abgerufen werden können – egal, ob man in Görlitz, Prenzlau oder Berlin-Mitte unterwegs ist.

Von seinem Büro aus hat Helbig seine Schätze immer im Blick. Zwischen den gefüllten Regalreihen hindurch sieht er das Herzstück der Sammlung, derentwegen sich Forscherinnen und Forscher aus allen Teilen der Welt auf den Weg nach Berlin machen: die Missionsberichte. „Ohne die wäre die missionsbibliothekarische Sammlung ohne internationale Bedeutung“, sagt er. Im Sommer waren Studierende und Professoren aus China bei ihm. Dort sowie in Süd- und Ostafrika lagen die Schwerpunkte der von Berlin ausgehenden Missionsarbeit im 19. Jahrhundert.

Besucherinnen und Besucher aus aller Welt
„Während der Kulturrevolution wurde in China sehr viel vernichtet. Also müssen die Forscher hierher kommen, um sich über ihre eigene Geschichte und die dortige Missionsarbeit zu informieren. In Afrika ist es ähnlich, dort gab es zum Teil erstmals durch die Missionare schrift­liche Quellen“, berichtet Helbig. Die weitgereisten Forscher interessieren sich für die Missionsgeschichte ihrer Gemeinde. Waren die Berliner Missionare kolonialistisch? „Beim Blick in die Berichte sehen sie, dass die Berliner Mission einen anderen Ansatz gehabt hat als andere Missionsgesellschaften. Die Missionare haben zum Beispiel Schulen und Krankenhäuser gebaut.“ Das ist der Schwerpunkt der Arbeit in der Missionsbibliothek.

Die Berichte der Missionare aus aller Welt in 112 Jahrgängen wurden mittlerweile sogar digitalisiert. „Mir fehlen leider noch der Speicherplatz und die Onlineplattform, um diesen Schatz auch verfügbar zu machen. Das gilt auch für elektronische Publikationen der EKBO, um diese dauerhaft zu sichern.“ Er hofft, die neue Struktur und das LKI machen dies zukünftig möglich.

Landeskirchliche Bibliothek, Georgenkirchstr. 69–70, 10249 Berlin-Friedrichshain, Di–Do 9.30–16 Uhr, Fr 9.30–12 Uhr

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Kommentar von Andreas Lischke |

Im Archivpflegerkonvent am 10.10. wurde die Bibliothek mit drei Teilen vorgestellt, nämlich inclusive der Bibliothek des Landeskirchlichen Archivs. Davon ist hier nichts zu lesen...