Fasten fürs Klima: Welche Veränderungen spüre ich?

Foto: Friederike Höhn



Veränderung: Was spüre ich?

Von Friederike Höhn

Beim Klimafasten geht es um das Erkennen versteckter Potenziale, um das Entdecken neuer Talente und darum, das eigene Denken und Handeln auf den Prüfstand zu stellen – das habe ich vor sieben Wochen geschrieben. Die Fastenzeit neigt sich dem Ende zu. Was hat sich für mich bewahrheitet? Was spüre ich nach 40 Tagen intensiver Beschäftigung mit meinem Konsumverhalten, der Überprüfung meiner Energiebilanz und meinem Einfluss auf Veränderung?

Ich spüre, wie sehr sich mein Alltag im vergangenen Jahr, seit meinem ersten Klimafasten, gewandelt hat. Vieles wurde selbstverständlich. Wie habe ich das früher gemacht?, frage ich mich, wenn ich meine Tasche mit Beuteln, Gläsern und Dosen fülle, um zum Einkaufen zu gehen. Manche Schritte waren leicht für mich, etwa, wenn es darum ging, etwas selbst zu machen oder zu reparieren statt Neues zu kaufen. Anderes fiel mir schwerer, etwa der Entschluss, meine Flugreisen radikal zu reduzieren.

Ich spüre, wie sehr Klimaschutz und umweltbewusstes Leben immer mehr Menschen in meinem direkten Umfeld bewegen. Wie Ideen ausgetauscht werden, kleine Tipps fürs Einkaufen geteilt oder alte Hausmittel wiederentdeckt werden. Eine ansteckende Freude. Mein Handy ist voll mit Fotos von plastikfreien Einkäufen, Recycling-Ideen für alte ­
T-Shirts und selbstgehäkelten Abschmink-Pads – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Jede und jeder hat andere Schwerpunkte, die für ihn oder für sie Sinn ergeben. Keiner kann alles tun. Aber alle können etwas tun. Und sie machen es.

Ich spüre, wie sich auch in der Gesellschaft etwas verändert. Diese Woche starten in Brandenburg gleich zwei Volksinitiativen für den Erhalt der Artenvielfalt. In Bayern haben bereits zwei Millionen Menschen ein ähnliches Begehren unterstützt. Aus einem Schulstreik für Klimaschutz wurde in den vergangenen Wochen eine generationsübergreifende Massenbewegung. Klimaschutz ist in – hoffen wir, dass es kein Trend bleibt, sondern zu nachhaltigen Veränderungen führt.

Fastenzeit bedeutet für viele Menschen zunächst, auf etwas zu verzichten. Worauf habe ich verzichtet beim Klimafasten? Das spüre ich nicht. Eine Erkenntnis hat sich aber bei mir festgesetzt: Verzicht heißt nicht, etwas aufzugeben, was man liebt. Verzicht befreit von all dem, was man nicht braucht. Und auf diesem Weg gehe ich weiter – auch nach Ostern.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Streifenhörnchen |

Endlich mal ein wohltuender Artikel ohne Fingerzeig-Akkrobatik. Und die Fastenzeit wird eine Wohlfühloase. Ja, so geht das Leben-Ändern auch. Dankeschön, liebe "Greta-Friederike".