Eine Kirche für Potsdam?

Seit Herbst 2017 wird an dem neuen Garnisonkirchturm gearbeitet. Foto: Rolf Zöllner/epd

Getreu ihrer Geschichte wird das Gerassel um den Aufbau des Garnisonkirchturms nicht leiser. Nun soll eine Machbarkeitsstudie zeigen, ob nicht die ganze Kirche wiederaufgebaut werden kann. Wolfgang Weissgerber wägt in seinem Kommentar nicht ab, sondern führt Argumente ins publizistische Feld, warum Kritik angebracht ist.

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Kommentar von Wolfgang Banse |

Kapellen und Kirchen sind eine Bereicherung nicht nur optisch was das Dorf/Stadtbild betrifft.Der Aufbau der Garnisionskirche ist um stritten, VerständlichGarnision klingt militärisch. Dies sollte vielleicht ein Anlaß sein darüber nach zu denken, die wieder auf zu bauende Garnisionskirche einen anderen Namen wie z. B. Versöhnungskirche zu geben. Als Untertitel ehemals " Garnisionskirche." die neu zu bauende Kirche sollte ein Gotteshaus des Gebets sein.

Kommentar von Fleischmann |

Wenn ich mir so die Euro-Summen für den Wiederaufbau betrachte, "sträubt sich bei mir das Gefieder". Die Errichtung des Turms will ich
zähneknirschend hinnehmen. Aber jetzt werden durch Bundes-förderung (Steuergelder) die Mittel beachtlich erhöht und hudert-tausende Euro für eine MACHBARKEITSSTUDIE beschlossen.
Als Fünfjähriger habe ich das Ende des 2. Weltkriegs bewusst und hautnah er- bzw. überlebt (in einem Dorf an der Mulde bei Grimma).
Ich erinnere mich an die Fliegeralarme (Sirenengeheul, das Lampen-
licht wurde immer dunkler bis es ganz verlosch und dann ab in den Keller), an die in Richtung Dresden über unser Haus fliegenden Bom-bengeschwader, an den vom Pfadfinderflugzeug abgeworfenen
"Christbaum", an den vierfzehnjährigen Hitlerjungen und den sieb-
zigährigen Mann vor unserem Haus postiert, die die an den Bäumen befestigten "Panzerpackungen" zünden sollten, um die Panzer der Roten Armee aufzuhalten. Schließlich kann ich auch die letzten zwei
Wochen im Keller, das Geräusch der sich nähernden Front der Alliierten und dann das Geheul der immer dichter einschlagenden Granaten nicht vergessen. Unser Wohnhaus hatte "nur" einen
"kalten Treffer" abbekommen.
Für mich bleibt deshalb die Garnisonkirche, obwohl ich ja gar kein
Potsdamer bin, ein Relikt des Deutschen Militarismus. Deshalb meine ich, die Macher und die tatsächlich vom Wiederaufbau Überzeugten sollten es doch bei dem Turm auch belassen. So wäre
den Ausführungen von Frau Pfarrerin Radeke-Engst, "Viele Pots-
damerinnen und Potsdamer wünschen sich den alten Dreikirchen-blick der Stadt" (siehe:"die Kirche" Nr. 37 vom 14. September 2014)
eigentlich Genüge getan.
Mein Vorschlag heute am 1. Advent 2019 - 60 Jahre Brot für die
Welt - lautet: Die zusätzliche Erhöhung der Bundesförderung von
12 auf 20,25 Millionen Euro erhält "Brot für die Welt" und ein Teil
sollte auch an die Einrichtungen und Hilfsorganisationen gehen,
die uns permanent mit "Bettelbriefen" ein schlechtes Gewissen suggerieren.
Von den 750 000 Euro könnte anstelle einer Machbarkeitsstudie
die Planung und der Bau eines Gebäude aus Holz und anderer nachhaltiger Werkstoffe für den gedachten Raum zur Meditation,
Friedens- und Versöhnungsgebete oder einfach zum Innehalten
um bzw. an den Turm gebaut werden. Vielleicht finden sich Men-
schen, die sich hierfür an einem honorarfreien Entwurfswettbewerb
beteiligen würden.
Bei allem Hin und Her der Argumente sollten wir als gläubige
Christenmenschen uns einmal die Frage stellen, was wohl unser
Herr Christus zu dieser Wiederaufbauangelegenheit sagen würde.
Welche Antwort erwarten Sie ?

Eine gesegnete Adventszeit

Peter Fleischmann, Brandenburg an der Havel