Ein Rückblick

Reformationsfest Frankreich
Vivre la fraternité: Auf Einladung der Fédération Protestante de France versammelten sich in Straßburg Adventisten, Baptisten, Evangelikale, Lutheraner und Reformierte, um unter dem Motto „Geschwisterlichkeit leben“ ein Fest des französischen Protestanti

 

 

Straßburg: Erinnern und Vertrauen

Der französische Protestantismus feierte die Reformation: Vom 27. bis 29. Oktober hatte der Kirchenbund nach Straßburg eingeladen, und mehr als 10000 Menschen kamen – darunter auch eine kleine Delegation aus dem Arbeitskreis Frankreich vom Berliner Missionswerk. Die Landeskirche baut derzeit eine Partnerschaft zur protestantischen Kirche in Frankreich auf.

Es war ein frohes Fest einer selbstbewussten Minderheit! Zwei Millionen Franzosen bekennen sich als Protestanten, die Mitgliederzahlen steigen leicht an. Die Bedeutung dieses Drei-Prozent-Protestantismus hatte Staatspräsident Emmanuel Macron kürzlich gewürdigt: Er sei „Vorposten und Wächter der Republik“.

Das Fest stand unter dem Motto „Vivre la Fraternité“, „die Brüderlichkeit leben“ – nicht erst das große Versprechen der Republik, sondern schon die Vision der Reformation! Und deshalb war die Leitfrage aller Veranstaltungen die uralte Gottesfrage an Kain: „Was aber hast Du gemacht mit Deinem Bruder?“ (1. Buch Mose 4,10)

Unstrittig war die Solidarität mit den Geflüchteten: Zwei von ihnen sprachen im Abschlussgottesdienst vor 8000 tief bewegten Teilnehmern. Und das eigens zur 500-Jahrfeier geschaffene Lied „Wir öffnen unsre Grenzen, wir schenken Raum und einen bessren Morgen“ wurde zum feierlichen Versprechen vor Gott und gegenüber einer gespaltenen Nation. Der kleine Protestantismus: entschlossener Vorposten einer großzügigeren Republik!

Diese Entschlossenheit verdankt sich auch der eigenen Geschichte, woran das Schauspiel „Luther in alle vier Winde“ (Foto) erinnerte. Von Beginn an hatte die Straßburger Reformation eine europäische Dimension; zur Ausbreitung des neuen Glaubens in England und Schweden trug sie wesentlich bei. Geschichte des Erfolges, aber bald auch der äußersten Bedrohung.

In der Bartholomäusnacht 1572 wurden Tausende ermordet, doch der verbliebene kleine Rest ging nicht unter. Diese Gottestreue nährt bis heute das protestantische Selbstbewusstsein in Frankreich. Dass an die Verfolgung ausgerechnet in der Kathedrale erinnert werden konnte, zeigt, wie ehrlich und wie verlässlich Protestanten und Katholiken inzwischen beieinander sind.

Ein theologischer Höhepunkt des Festes war die „Nacht der Thesen“, während der 15 Theologen und Theologinnen Stellung zum Gebot der „Fraternité“ nahmen. Von Adventisten, Evangelikalen, Lutheranern und Reformierten wurde die Frage nach Kains Bruder Abel kontrovers diskutiert: „Sollen wir Geschwister nur für Christen sein, oder sind wir von Gott bestimmt zu Geschwistern aller Menschen?“ Es geht um die Reichweite von Liebe und Solidarität.

Und deshalb ging es gleich in mehreren Veranstaltungen um das „Interreligiöse“. Konsens war: Die Fraternité beginnt im Respekt vor der religiösen Vielfalt – auch ganz anders Glaubende haben ihre Ernsthaftigkeit! Unter dieser Voraussetzung kann dann nach dem Verbindenden gesucht werden. Verheißungsvolle Bemühung, in der die Wahrheit des reformatorischen Glaubens in hellem Licht erscheint. Denn auch im sechsten Jahrhundert will der französische Protestantismus vor aller Welt bezeugen, dass Gottes Kraft in ihm mächtig ist.<

Weitere Impressionen: www.facebook.com/BerlinerMissionswerk

Text: Kurt Anschütz (Mitglied des Arbeitskreises Frankreich, Berliner Missionswerk), Foto: privat

 



Prenzlau: Weltrekord geschafft

Der musikalische Weltrekordversuch in Brandenburg zum 500. Reformationsjubiläum ist am Morgen des Reformationstags zu Ende gegangen. Bei dem Nonstop-Konzert in der Prenzlauer Nikolaikirche mit mehreren hundert Teilnehmern wurden von stündlich wechselnden Chören alle 535 Lieder des evangelischen Gesangbuches gesungen. Ob der Weltrekord in der neu angemeldeten Rubrik „Dauersingen christlicher Choräle“ auch vom Büro von „Guinness World Records“ anerkannt werde, sei noch offen, sagte Pfarrerin Sophie Ludwig. Dazu müssten dort erst die Aufzeichnungen des Singe-Marathons geprüft werden, was bis zu einem halben Jahr dauern kann. Einen offiziellen Juror vor Ort einzusetzen und eine schnellere Entscheidung zu bekommen, sei zu teuer gewesen, berichtet die Pfarrerin. Dafür hätten pro Tag 10000 Euro gezahlt werden müssen.

Das Nonstop-Konzert lief von Sonntagmittag bis gegen halb acht Uhr morgens am 31. Oktober. Beteiligt hätten sich neben größeren Chören unter anderem aus Pasewalk, Eberswalde, Templin und Prenzlau auch einzelne Chorsänger, die alleine zu dem Weltrekordversuch kamen, sagte Ludwig. Tagsüber hätten die Chöre zum Teil bis zu 30 Sänger gezählt, nachts seien es jedoch weniger gewesen. In der Kirche seien auch rund um die Uhr Zuhörer vor Ort gewesen, mehrere Gäste hätten sogar wegen der Atmosphäre in der Kirche übernachtet und seien bei Kerzenlicht mit Choralgesang eingeschlafen und wieder aufgewacht. Es seien immer mindestens 20 und zwischendurch bis zu 100 Zuhörer dagewesen, sagte Ludwig: „Es war ein Kommen und Gehen, aber immer besinnlich.“

Text: epd, Foto: privat


Berlin: 300 Thesen der Jugend

In der Nacht zum Dienstag haben Jugendliche an fast alle evangelische Kirchen in Berlin eigene Thesen angeschlagen. Damit wollte die Evangelische Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EJBO) für einen Erneuerungsprozess in der Kirche werben, sagte Landesjugendpfarrerin Sarah Oltmanns. Zudem überreichten die Jugendlichen ihre Thesen am vergangenen Mittwoch Bischof Markus Dröge persönlich. Die berlinweite Aktion war am 30. Oktober an der Trinitatiskirche in Berlin-Charlottenburg gestartet. Eine Holztür wurde mit 15 Thesen der Jugendlichen symbolisch beschlagen.

Der Thesenanschlag sei von den Jugendlichen zwei Jahre lang vorbereitet worden, sagte Oltmanns weiter. In Workshops, Diskussionen und anderen Veranstaltungen hätten sich junge Christen mit der Frage auseinandergesetzt, was heutzutage eine Gottesbeziehung fördert oder behindert. Kritik üben die jungen Menschen demnach daran, dass es in kirchlichen Debatten vor allem um strukturelle, finanzielle oder wirtschaftliche Fragen gehe. Wie man selbst zu Gott finde oder welche Zweifel es auch gebe, werde nach Ansicht der Jugendlichen dagegen zu wenig in den Kirchengemeinden thematisiert, erläuterte die Landesjugendpfarrerin.

„Christliche Kirche ist Gemeinschaft von Menschen im Glauben und Zweifel“, heißt es in der ersten These der Jugendlichen. „Glaube und Zweifel ist für viele ein sensibles Thema, über das man nicht mit jedem sprechen kann. Immerhin in den Gemeinden muss das doch möglich sein!“, lautet ihre sechsten These. Weiter fordern die Jugendendlichen „mehr Humor im Umgang mit dem Glauben“ (elfte These). Zudem sei die evangelische Kirche ohne Visionen und die Ideen junger Menschen seien häufig unerwünscht. Oltmanns zufolge wollen die Jugendlichen mit dem Thesenanschlag eine breite Debatte in den Kirchengemeinden anstoßen und hoffen auch auf eine Reaktion führender Kirchenvertreter.

Die Thesen online: http://ejbo.de/projekte/rejbomation

Text: epd, Foto: privat




Berlin-Spandau: Drinnen und Draußen

Ein Gottesdienst zwischen Drinnen und Draußen mit Leinwandübertragungen: in der St. Nikolai-Kirche in Spandau und draußen auf dem Reformationsplatz. „Das tut richtig gut, rauszukommen an die frische Luft, hier ist zweifelsfrei der bessere Platz, auch um die Botschaft herauszubringen“, sagte Bischof Markus Dröge, als er zum zweiten Teil seiner Predigt aus der Kirche herauskam, um auf der Bühne weiterzupredigen. Er rief in seiner Predigt dazu auf, in der Tradition Martin Luthers für die Wahrheit einzustehen und Unrecht ans Licht zu bringen.

Gut 1000 Personen feierten gemeinsam mit Bischof Markus Dröge, Propst Christian Stäblein, einem Gospelchor, den Generalsuperintendenten sowie Erzbischof Heiner Koch, Vertretern anderer Religionen und dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Als christliche Kirche „auf dem Weg der Einheit gemeinsam gehen“ zu wollen, werde das „große Zeugnis des Reformationsjahres 2017 sein“, sagte Erzbischof Koch in seinem eröffnenden Grußwort. Der gegenwärtige Zustand könne nur eine Etappe auf diesem Weg sein.

Toleranz und Freiheit „sind heute Berlins Markenzeichen“, sagte der Regierende Bürgermeister in seinem Grußwort. Die Grundlagen dafür habe einst Luther gelegt. Die Bildungsbewegung der Reformation habe „unsere Gesellschaft bis heute zutiefst geprägt“.

In der Nikolaikirche wurde am 1. November 1539 von Kurfürst Joachim II. die Reformation in der Mark Brandenburg eingeführt. Bei dem historischen Gottesdienst wurde erstmals das lutherische Abendmahl in der Kirche gefeiert.

Weitere Eindrücke unter: www.ekbo.de/themen/aktuelles/reformationsgottesdienst-und-empfang-in-spandau.html

Text: dk/epd, Foto: EKBO/Annette Kaiser




Berlin-Lichtenberg: Es hat gefe(t)zt

Mutig, was der Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree da veranstaltet hat: Mitten im Halloween-Getümmel einer zweiten Großveranstaltung im FEZ die Fahne der Reformation zu hissen. Sprichwörtlich, denn das große Reformationsfest fand im öffentlichen Raum statt. Frei, offen und freilich lautstark. Den Konzertreigen eröffneten die Bläser des Kirchenkreises unter der Leitung von Michael Dallmann. Stephan Zebe und das Gospelkollektiv mit Band (Foto) setzten das Hörerlebnis fort und übergaben den Staffelstab schließlich an Heinz Rudolf Kunze. Der große Saal im ehemaligen Pionierpark füllte sich bis zum letzten Platz, auch als zuvor „Mönsch Martin“ in einem Theaterstück die Reformationsereignisse auf die Bühne brachte. Viele „Kürbisköpfe“ und Halloweengespenster waren verdutzt – Kirche feiert im FEZ? Mit Mann und Maus? Ja, hat sie und es war wunderbar. Wiederholung ausdrücklich erwünscht.<

Text und Foto: Uwe Baumann

 

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