Die feste Stadt Gransee

Über die zwei Durchfahrten des Neuruppiner Tors rätselte schon Fontane. Foto: Susanne Liedtke

 

Von Susanne Liedtke

„Gransee war eine feste Stadt, wohl die festeste der Grafschaft Ruppin“, so befand Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Und tatsächlich: Kein anderer Ort in Brandenburg verfügt über eine so gut erhaltene mittelalterliche Stadtmauer. Auf gut der Hälfte führt ein Weg an ihrem Verlauf entlang und leitet zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der ehemaligen Ackerbürgerstadt mit heute 5300 Einwohnern.

Zwei Stadttore gab es einst, erhalten ist das Neuruppiner Tor aus dem 14. Jahrhundert, das statt einer zwei gleich große Durchfahrten hat. Zahlreiche Legenden ranken sich um die Gründe dafür und Fontane schreibt ausführlich darüber. Im benachbarten Museum, einst das „Siechenhaus“ der Stadt, gibt es den Schlüssel für das Torhaus, von dessen oberster Etage sich wunderbar in die Ferne blicken lässt.

Der Stadtmauer folgend, gelangt man von dort, den Pulverturm passierend, zum ehemaligen Zisterzienserkloster mit interessanter Ausstellung und nur ein paar Schritte weiter zur imposanten Kirche St. Marien, ein Backsteinbau aus dem 14. Jahrhundert, der unübersehbar und weithin sichtbar das Zentrum der Stadt markiert. Leider ist Fontanes Beschreibung: „Die Marienkirche hat zwei Türme, die den Vorzug genießen, beide fertig zu sein“, aktuell nicht zutreffend, denn einer von ihnen wird saniert und ist von einem Gerüst verhüllt.

Zur Stärkung nach dem Stadtrundgang empfehlen sich beim Bäcker „Türcke“ an der Kirche „Melonen“ und „Rouladen“ – die allerdings nicht wie vermutet als Obst und deftiges Fleischgericht daherkommen, sondern als köstliches Sandgebäck und Biskuitrolle auf der Zunge schmelzen.

Doch wo ist eigentlich der See, der sich im Namen der Stadt versteckt? Die ehemalige Seepromenade am Kloster weist den Weg durch die Stadtmauer hindurch, wo nach einem Spaziergang durch Gärten und Schilfgürtel der Geronsee mit hölzernem Aussichtsturm und Liegewiese auftaucht. So ist auch die Entspannung zum Abschluss des Besuches inbegriffen.

 

die Kirche unterwegs. Das Tagebuch

Die Hälfte meiner Zeit als rollende Reporterin für die Kirchenzeitung ist bereits rum. Es ist spannend, an jeder Station neu zu schauen und mich darauf einzustellen: Was und wen finde ich vor? Wo kann ich arbeiten? Wie steht der Qek am besten? Gibt es WLAN? Mal schreibe ich meine Texte dank Godspot auf dem Fußweg vor der Kirche – wie hier in Friedrichswalde – und mal unter einer uralten Linde im Pfarrhausgarten. Die Orte sind so unterschiedlich wie die Menschen, denen ich bisher begegnet bin.

Und immer grüßt von Ferne ein Kirchturm. Mein Herz hüpft jedes Mal, wenn eine Spitze hinter dem nächsten Hügel, über einer Baumgruppe hervorlugt und ich eine Kirche entdecke - im Vorbeifahren oder mit Zeit hineinzugehen. Es überrascht und freut mich, wie viele von ihnen offen sind. Sie sind Heimat und Anker für mich, besonders auf dieser Reise spüre ich das deutlich.

Susanne Liedtke ist freie Journalistin und lebt in der Prignitz.

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