Deutsche Protestanten in Paris teilen Schock über Notre-Dame-Brand

Foto: epd

 

Frankfurt a.M./Paris (epd). Mit Erschütterung haben deutsche Protestanten in Paris auf den verheerenden Brand der Kathedrale Notre-Dame reagiert. "Der Morgen heute steht im Zeichen der Trauer über die schreckliche Zerstörung", schrieb das Pfarrehepaar Andrea Busse und Axel Matyba von der Deutschen Evangelischen Christuskirche Paris am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage per E-Mail. Der Brand sei überall Gesprächsthema. Inzwischen gebe es dafür unter Franzosen zum Teil sehr drastische Formulierungen: "Für uns ist Notre-Dame die 'Mutterkirche' Frankreichs", das sei, "als ob man sein eigenes Haus brennen sieht oder als ob man seine Mutter verliert".

"Wir werden das Thema in unserem Gebetskreis und unseren Gottesdiensten aufnehmen", fügten Busse und Matyba hinzu: "Gestern Abend war der Schock über diesen furchtbaren Brand hier in Paris natürlich groß. Es gingen schnell Meldungen über die diversen Kommunikationskanäle, man solle den Sektor meiden, um die Arbeit der Feuerwehr nicht zu behindern."

"Insofern haben wir den Brand ähnlich erlebt, wie die Menschen in Deutschland: vor dem Fernseher - allerdings mit den französischen Nachrichten, die stundenlang live sendeten", berichteten die beiden Auslandspfarrer. Als gegen 23 Uhr optimistischere Meldungen von der Feuerwehr kamen, dass die beiden Türme gerettet werden könnten, sei auch Erleichterung zu spüren gewesen. Im Dachstuhl der weltberühmten Kathedrale des Erzbistums Paris war am Montagabend ein Feuer ausgebrochen. Am Dienstagmorgen war der Brand vollständig gelöscht. Die Ermittler suchen nach der Brandursache und begutachten die Schäden.

Die Christuskirchen-Gemeinde in Paris möchte nach eigenen Angaben für deutschsprachige evangelische Christen in und um Paris eine geistliche und geistige Heimat sein. Die Gemeinde unterhält enge Beziehungen zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zum Bund evangelischer Kirchen in Frankreich (FPF). Sie versteht sich als Bindeglied zwischen Deutschen und Franzosen und blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Das Stichwort: Notre-Dame de Paris

Notre-Dame de Paris gilt als Inbegriff gotischer Baukunst. Die mehr als 850 Jahre alte Kathedrale auf der Seine-Insel Ile de la Cité ist neben dem Eiffelturm das wohl bekannteste Wahrzeichen von Paris und wird jährlich von rund 13 Millionen Menschen besucht. Die 128 Meter lange und bis zu 48 Meter breite Bischofskirche, seit 1991 Unesco-Welterbe, ging mit Victor Hugos Roman "Notre Dame de Paris" (deutsch: "Der Glöckner von Notre Dame") auch in die Weltliteratur ein.

Die Bedeutung des nun bei einem Brand schwer beschädigten Bauwerks für Frankreich und Paris geht weit über seinen bau- und kunstgeschichtlichen Rang hinaus. Die im Herzen von Paris auf der Seine-Insel Ile de la Cité gelegene Kathedrale war in ihrer Geschichte immer wieder Schauplatz geschichtlich bedeutender Ereignisse, von der Salbung Heinrichs VI. von England zum französischen König im 100-jährigen Krieg 1431 über die Kaiserkrönung Napoléons 1804 bis zu den Staatsbegräbnissen der Präsidenten Charles de Gaulle (1970) und François Mitterrand (1996). Im November 2015 gedachte Frankreich dort der 130 Todesopfer der islamistischen Terroranschläge.

Der Grundstein der Kathedrale wurde 1163 unter Bischof Maurice de Sully gelegt, die Bauarbeiten dauerten rund 150 Jahre. Die Westfassade mit ihren harmonischen Proportionen, den beiden massigen Türmen und den drei reich verzierten Portalen ist eins der beliebtesten Fotomotive von Paris, weltbekannt ist auch die Rosenfenster (Rosette) mit einem Durchmesser von 12,90 Meter im Südquerhaus. Der Innenraum zählt zu den großartigsten Schöpfungen der europäischen Architekturgeschichte. Die Kirche gilt als Vollendung der frühen Gotik, die himmelwärts strebende Kathedrale von Chartres und der Kölner Dom zählen zur Hochgotik.

In der Französischen Revolution (1789-1799) wurde Notre-Dame de Paris mit seinen zahlreichen Kunstwerken wie zahlreiche andere Sakralbauten schwer beschädigt, entging dank Robespierre aber dem Abriss und verfiel anschließend. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Kirche vom Einsturz bedroht. Victor Hugos Roman (1831) über den buckligen Glöckner Quasimodo und die schöne Esmeralda rückten den Franzosen die Bedeutung des Bauwerks wieder ins Bewusstsein. 1844 begann der Architekt Eugène Viollet-le-Duc mit umfangreichen Renovierungsarbeiten, wobei er einige Veränderungen vornahm. So ergänzte er das Bauwerk um einen hölzernen Vierungsturm, der bei dem Großbrand am 15. April 2019 einstürzte.

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Kommentar von Wolfgang Banse |

Notre Dame gehört wie der Eifelturm zu Paris.Was sich in Paris im Bezug auf Notre Dame ereignet hat, kann sich auch in jeder anderen Kirche, ob bekannt oder unbekannt ereignen.Kirchen sollten einander helfen, so wie es z. Blin es tut. Der Generalvikar hat während der Chrisam Messe am Dienstag, den 15. April2019 dazu aufgerufen, dass die Gemeinden von den eingesammelten Kollekten etwas abgeben sollten im Bezug auf den Wiederaufbau Notre Dame. Andere Kirchen, hier z. B. die EKBo sollten dem guten Beispiel folgen.