Christliche Podcasts: Gott im Ohr

Autor und Musiker Gofi Müller (links) und Gemeindepädagoge Jakob Friedrichs von „Hossa Talk“ in ihrem Aufnahmestudio in Eschborn. Foto: Heike Lyiding

 

 

Gott im Ohr

Christliche Podcasts sind langsam auch in Deutschland im Kommen

Von Johanna Greuter (epd)

„Ohne Tabus über geistliche Fragen sprechen“, das will der christliche Podcast „Hossa Talk“. In der vierzehntäglich erscheinenden Sendung behandeln der Gemeindepädagoge Jakob Friedrichs und der selbstständige Autor und Musiker Gofi Müller meist „sehr persönlich“ ein Thema, erzählt Friedrichs. In den mittlerweile mehr als 120 Folgen beschäftigen sich die beiden Hessen mit Themen zu Sexualität, Fragen zum Bibelverständnis oder zum Glauben. Dies sei auch „durchaus provozierend“, sagt der Gemeindepädagoge.

Konservative Christen hätten sich anfangs über „Hossa Talk“ aufgeregt. „Das hat sie doch sehr irritiert, dass wir so frei gesprochen haben“, berichtet Jakob Friedrichs. Aber das sei weniger geworden. Nach eigenen Angaben hat „Hossa Talk“ mehr als 180000 Seitenzugriffe pro Monat. „Wir wissen, dass uns eine ganze Menge Leute hören. Das freut uns doch schon sehr.“

Podcasts, Audio- oder Videosendungen auf einer Internetseite zum Herunterladen, werden immer beliebter. Fast jede*r dritte Deutsche hört sie mittlerweile regelmäßig, und es gibt kaum noch einen Inhalt, der nicht abgedeckt wird: So verfolgen in Deutschland einer Studie des Marktforschungsinstituts „Splendid Research“ von 2018 zufolge etwa acht Prozent der Befragten Podcasts aus dem Themengebiet „Religion“.

Wie etwa den Podcast „Offenbart – der bärtigste Bibelcast im Web“. Der Hamburger Vikar Lukas Klette und der Berliner Sozialarbeiter Simon Mallow lesen in „Offenbart“ das Markus-Evangelium und diskutieren darüber. Die vorgelesenen Textstellen verknüpfen die beiden Anfang 30-Jährigen mit ihrem Alltag und wollen auch „mal gegen den Strich bürsten“, sagt Klette. Ziel sei es, „die Bibel in unsere Zeit zu heben, und zwar so richtig und kompromisslos“, ergänzt Mallow. Das machen sie seit rund zwei Jahren in nun 97 Folgen.

Wie viele Zuhörer sie genau haben, sei schwer messbar. Grob gehen sie davon aus, dass jede Folge innerhalb der ersten vier Wochen von 150 bis 200 Menschen abgerufen werde. Die Rückmeldungen der Hörer seien meist positiv, sagt Klette. Kritische Feedbacks gebe es ab und an wegen ihrer „derben Sprache“, fügt Mallow an – und auch, weil er manchmal Jesus etwas härter angehe. „Ich bin da nicht kritikfrei, und das ist für manche Menschen ganz schön schwierig.“

Mit Gästen und Praxisbezug

Einen anderen Fokus haben die Schwestern Friederike und Svenja Nordholt gewählt, die seit rund einem Jahr den Podcast „Wortkollektiv“ betreiben. „Die Idee war, die Predigt in den Fokus zu rücken“, erzählt Svenja Nordholt. Sie studiert Theologie in Leipzig, ihre Schwester in Bonn. Die Studentinnen wollen testen, was für Möglichkeiten es gibt, die Predigt anders zu gestalten.

Dafür laden sie in jeder Podcast-Folge einen Gast ein, der die Predigt hält und mit dem sie zuvor ein Gespräch führen, „um die Person kennenzulernen und das, was sie sagt, einordnen zu können“, erzählt Svenja Nordholt. Der Podcast sei für alle, die an Theologie interessiert seien, beschreibt die 27-Jährige. „Aber so ganz offen und nicht festgelegt auf irgendeine Frömmigkeit.“

Auch Stefanie Hoffmann und Timo Versemann aus Berlin laden in ihren Podcast immer einen Gast ein. Doch hier geht es meist etwas praktischer zu: Wie können Christen und Kirchen in einer sich digitalisierenden Welt mitgestalten? Welche neuen Chancen tun sich auf – von Social-Media-Nutzung, neuen Ansätzen in der Theologie bis zum papierlosen Gemeindebüro. „Ich möchte Leute vors Mikrofon holen, die sich schon lange mit Kirche und Digitalisierung beschäftigen. Denn da passiert so viel, was von außen kaum wahrgenommen wird“, sagt Stefanie Hoffmann.

Sie ist seit rund einem Jahr EKD-weit die erste Landespfarrerin für Kirche im digitalen Raum. Timo Versemann leitet das Projekt „Netzteufel“ bei der Evangelischen Akademie Berlin. Dort setzt er sich dafür ein, grup­penbezogener Menschenfeindlichkeit im Netz christliche Nächstenliebe entgegenzusetzen.

Auch für theologisch Versierte

Ein Urgestein unter den deutschen christlichen Podcasts ist der Bibel-Podcast „bibletunes“. Seit 2010 veröffentlicht der Theologe Detlef Kühlein täglich acht- bis zehnminütige Folgen. In dem Podcast werden Verse aus der Bibel vorgelesen und das Gelesene vertieft. „bibletunes“ hören nach Angaben Kühleins mehrere Tausend Menschen regelmäßig.
Wie „bibletunes“ ist auch der Podcast „Tischgespräche“ eher für theologisch Versierte. Die Nordkirchen-Pastoren Malte Detje und Knut Nippe „bearbeiten“ Glaubensthemen aus der Perspektive der Reformation, wie Detje sagt. „Tischgespräche“ läuft seit zwei Jahren. Die Reichweite schätzt Detje auf 500 Hörer. „Für das Internet mögen 500 regelmäßige Hörer eine kleine Zahl sein, vergleicht man es aber mit der Reichweite einer typischen Sonntags­predigt, ist es sehr viel“, findet er.

Die deutsche christliche Podcast-Szene ist noch recht überschaubar. Einige Podcaster kennen sich persönlich, viele seien vor allem auf den sozialen Medien vernetzt, wie sie erzählen. Privat orientieren sich einige an US-amerikanischen Podcasts. Friederike Nordholt von „Wortkollektiv“ findet es dabei sehr praktisch, dass beim Thema Kirche in Deutschland alles etwas langsamer laufe: „In den USA ist immer alles zwei Jahre vor allem und bei der Kirche ist immer alles fünf Jahre danach“, sagt die 24-Jährige mit einem Schmunzeln. „In Deutschland ist man deshalb jetzt noch am Start, wenn man auf den Podcast-Zug aufspringt.“

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