Anruf genügt

Kirchentaxi
Foto: epd



Gemeindliche Fahrdienst und Mitfahrgelegenheiten zum Gottesdienst gibt es (fast) überall – als „Kirchentaxi“ macht man mit solchen Services in der EKBO gemischte Erfahrungen

Von Uli Schulte Döinghaus

Die „Arbeitsgemeinschaft Helfende Gemeinde“ ist eine verdienstvolle Initiative, die engagierte Christen vor knapp fünf Jahren unter dem Dach der Kirchengemeinde Groß Glienicke gründeten. Das Motto der Arbeitsgemeinschaft: „Helfen macht auch Helfer glücklich, Helfen tut gut.“

Die glücklichen Helferinnen und Helfer kümmern sich seither um Deutschunterricht, Kinder- und Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlingsfamilien. Sie organisieren Konzerte, machen mobil für Spenden­aktionen etwa für die Deutsche Evangelisch-Lutherische Schule in Beit Jala bei Bethlehem oder helfen aus bei der Olivenernte im Gemeindezentrum Servizio Cristiano der Waldenserkirche in Riesi (Sizilien).

Das erste Vorhaben aber war das „Kirchentaxi“, und vielleicht ist es bis heute das bekannteste Projekt der Arbeitsgemeinschaft in Groß Glienicke. Wer die Berliner Telefonnummer (030)3653918 anruft, erreicht den ehrenamtlichen „Fahrdienstleiter“ Wolfgang Deeg. Zwei, drei Mal im Monat wird er gebeten, älteren oder kranken Gemeinde­gliedern einen Gottesdienstbesuch in der Dorfkirche zu ermöglichen.

Deeg und die weiteren vier Fahrer seines „Teams Kirchentaxi“ sorgen zuverlässig für den Fahrdienst zum Sonntagsgottesdienst oder zum monatlichen Kirchencafé. „Das Kirchentaxi ist stets gut nachgefragt. So gut sogar, dass es nicht immer ganz einfach ist, alle Beförderungs­wünsche zu erfüllen“, schreibt Wolfgang Deeg auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft. Der emeritierte Professor für Medizinische Physik und begeisterte Konzert­meister ist zusammen mit Michael Stettberger verantwortlich für das Kirchentaxi.

Die Attraktivität des Kirchentaxis hat in Groß Glienicke auch damit zu tun, dass nicht nur Gottesdienstfahrten bei Wolfgang Deeg „gebucht“ werden, sondern zunehmend auch kurze Einkaufstrips, Arztbesuche oder sogar Besorgungsfahrten. Regelmäßig rufen ältere Damen und Herren aus Groß Glienicke an.

Aber auch Bewohnerinnen und Bewohner aus der „Seniorenresidenz See­promenade“ melden sich. Die Residenz liegt etwas abseits des Ortszentrums und ist nicht gut mit dem Bus angebunden. Die Frauen und Männer genießen die kurze Fahrt zum Supermarket und die guten Gespräche mit ihren „Taxifahrern“, die ihnen als engagierte Christen der „Arbeitsgemeinschaft Helfende Gemeinde“ vertraut sind.

„Fahrdienstleiter“ Wolfgang Deeg zeigt sich froh darüber, dass das Kirchentaxi – es ist kostenlos für die Nutzerinner und Nutzer – in Groß Glienicke so gut ankommt. Aber er will auch ein gewisses Unbehagen nicht verbergen: „Speziell dann, wenn es um Einkaufsfahrten geht, müssten eigentlich Familienangehörige oder enge Freunde ran“, sagt er. „Man fühlt sich dann ein bisschen ausgenutzt“.

Was in Groß Glienicke als erweitertes Kirchentaxi gefragt ist, musste zwischen Kümmritz und Zieckau bald wieder eingestellt werden. In den beiden Ortsteilen von Luckau findet – versetzt - jeweils nur einmal im Monat ein Sonntagsgottesdienst statt. Die Idee war ein Fahrdienst namens „Kirchentaxi“, der sonntags bei Bedarf zwischen Kümmritz und Zieckau verkehrt.

„Leider haben wir den Bedarf überschätzt“, sagt Pfarrer Martin Meyer, der die evangelischen Gemeinden in Luckau und Umgebung leitet. Möglicherweise ziehe man in Kümmritz und Zieckau die Fahrt mit dem eigenen Auto fort, scheue Planungs- und Verabredungsaufwand, sagt Martin Meyer und verweist auf den ansonsten regen Austausch zwischen den Kirchengemeinden, etwa bei gemeinsamen Festen, Bibelwochen oder Jugendangeboten.

Entsprechende Angebote für Fahr­dienste gibt es in einigen Kirchengemeinde der Landeskirche. Diese findet man in den Gemeindebriefen, auf den Internetseiten der jeweiligen Kirchengemeinden unter „Kirchentaxi“,
„Fahrdienst“ oder „Mitfahrgelegenheit“ und können in den Gemeinde­büros erfragt werden.

 

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